Deal des Jahres: aktivoptik hat neuen Gesellschafter

Die Investmentgesellschaft Argos Wityu hat rund 75 Prozent der in Bad Kreuznach ansässigen aktivoptik-Gruppe übernommen, vorbehaltlich der (zu erwartenden) Zustimmung durch die Kartellbehörden. aktivoptik ist die fünftgrößte Augenoptiker- und Akustiker-Kette in Deutschland mit 76 Filialen, die 2017 einen Umsatz von rund 50 Millionen Euro erzielten.

Autor | Theo Mahr

Rolf Schneider, der Gründer und bisherige Mehrheitsgesellschafter von aktivoptik, hält weiterhin 25,1 Prozent am Unternehmen, das er auch in der nahen Zukunft mit Ruth-Anna Weißmann führt. Bis ein geeigneter Nachfolger für seinen Posten gefunden ist, denn dann wird Schneider in den noch zu gründenden Beirat des Unternehmens wechseln, wie er und Frank Hermann im Interview erklärten. Hermann leitet das deutsche Büro der vor 30 Jahren in Genf gegründeten Investmentgesellschaft Argos Wityu. Diese betreibt inzwischen mehrere Büros in Europa und hatte bislang keinen Kontakt mit der augenoptischen Branche, verfügt aber über Erfahrungen im Einzelhandel und der Gesundheitsbranche. Das deutsche Büro wurde erst vor zwei Jahren eröffnet und angelte sich mit aktivoptik einen ganz dicken Fisch aus der Branche.

Ausgegangen war die Initiative von Rolf Schneider, der einen Nachfolger für sein Lebenswerk suchte und über die DZ-Bank schließlich auch fand. „Es gab wirklich viele Interessenten für das Unternehmen“, versichert Schneider. Das Angebot von Argos Wityu überzeugte ihn aber am meisten, wohl auch deswegen, weil er seine Unternehmenskultur erhalten wissen will und es gerade zu diesem Thema große Übereinstimmungen gab und gibt.

„Wir sind keine operativen Manager“, dämpft Hermann mögliche Aufregung unter den Mitarbeitern. Die von Familie Schneider geprägte Unternehmenskultur sowie die Firmenphilosophie blieben erhalten, genau wie die Standorte. Auch der Firmensitz in Bad Kreuznach, an dem erst vor zwei Jahren eine nagelneue Zentrale errichtet wurde, bleibe bestehen. „Wir setzen auf Kontinuität und Wachstum, deshalb ist Argos Wityu auch als verlässlicher Partner für Nachfolgelösungen im Mittelstand mit jahrzehntelanger Erfahrung in ganz Europa bekannt“, sagte Hermann. Das Wachstum werde durch die Eröffnung neuer Filialen und durch selektive Zukäufe angestrebt. Das dafür notwendige Kapital bringt die Investmentgesellschaft mit. Sie verwaltet ein Vermögen von rund einer Milliarde Euro.

Hermann und Schneider sind davon überzeugt, dass Filialisten im augenoptischen Markt leichter bestehen, da sie von Skaleneffekten insbesondere im Einkauf und zentralen Strukturen für IT, Marketing und anderen Funktionen profitieren. Durch gezielte Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung sowie Aus- und Weiterbildung können sie Mitarbeiter aus dem eigenen Unternehmen weiterqualifizieren, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.

Über aktivoptik

Die erste aktivoptik-Filiale wurde im Jahr 1989 eröffnet. Heute zählt das Unternehmen zu 63 eigene Geschäfte, darunter vier Premium-Geschäfte, und 13 Franchise-Filialen. Der Großteil der Filialen befindet sich in SB-Warenhäusern, was zu einer hohen Kundenfrequenz und regelmäßigem Kundenkontakt beiträgt. Weitere Vorteile sind längere Ladenöffnungszeiten sowie meist kostenlose Parkplätze. Der Erfolg des Unternehmens basiert neben dem Preis-Leistungs-Verhältnis auf ausgezeichneter Qualität der verkauften Produkte und des Services sowie einer ausgeprägten, familiären Unternehmenskultur: aktivoptik wurde 2018 von der Deutschen Gesellschaft für Verbraucherstudien als einzige Augenoptikerkette mit „sehr gut“ bewertet und im Jahr 2015 von der Stiftung Warentest als Testsieger unter den führenden Augenoptikerketten ausgezeichnet. Insbesondere die hohe Qualifikation seiner rund 560 Mitarbeiter, deren Förderung bei aktivoptik einen hohen Stellenwert genießt, trug zu diesem erfolgreichen Abschneiden bei. Für sein Personalmanagement und die hervorragende Ausbildung seiner Mitarbeiter wurde aktivoptik 2012 und 2017 mit dem „TOP JOB“-Gütesiegel als einer der besten mittelständischen Arbeitgeber in Deutschland ausgezeichnet.

Über Argos Wityu

Argos Wityu wurde im Jahr 1989 als Argos Soditic gegründet und ist eine unabhängige, paneuropäische Investmentgesellschaft mit Büros in Brüssel, Frankfurt, Genf, Luxemburg, Mailand und Paris.

Mit der jüngsten Beteiligung führt Argos Wityu den seit seiner Gründung verfolgten Investitionsansatz einer nachhaltigen Wertsteigerung durch strategische und operative Verbesserungen sowie Wachstum auch in Deutschland fort. Die Gesellschaft verfügt über 30 Jahre Erfahrung mit Nachfolgelösungen und Familiengesellschaften, dem Erwerb von Tochtergesellschaften oder Geschäftsbereichen größerer Konzerne (Spin-Offs und Carve-Outs), Unternehmen mit komplexen Organisationen oder Gesellschafterstrukturen, der strategischen Neupositionierung sowie der Finanzierung von organischem oder externem Wachstum – allesamt in Situationen, die spezifisches Know-how, Fachwissen und Erfahrung sowie vor allem ausreichend interne Ressourcen während und nach der Transaktion erfordern.

Argos Wityu fokussiert sich auf Management Buy-Outs, Buy-Ins und Spin-Offs bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen mit einem Unternehmenswert zwischen 20 und 200 Millionen Euro. Die von Argos Wityu beratenen Fonds investieren in Mehrheitsbeteiligungen mit Eigenkapitaltickets zwischen 10 und 100 Millionen Euro.

Zu den bekanntesten Investments gehören der Erwerb des weltweit führenden Saxophonherstellers Selmer von der Gründerfamilie, des Mischkonzerns Davey Bickford von seinen 200 Familiengesellschaftern, des Schweizer Schokoladenwaffelherstellers Kägi und der Mehrheitserwerb des Schweizer Seilbahnherstellers BMF.

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