Gravurenfinder

Glas-Identifizierung schnell und einfach

Mit dem „Gravurenfinder“ von Lumos liegt eine aktuelle Übersicht über die im deutschsprachigen Raum verwendeten Gleitsichtgläser und ihre Mikrogravuren vor. Sie wurde konsequent im Hinblick auf die schnelle Identifizierung von Gläsern durch Augenoptiker, Augenärzte und die optische Industrie entwickelt. Es ist das Nachschlagewerk für alle, die ein Glas anhand der Gravuren identifizieren müssen oder die Zentrierdaten einer eingeschliffenen Brille ermitteln wollen.

Neben den aktuellen Marken-Gleitsichtgläsern der wichtigsten Hersteller finden sich auch andere mit Mikrogravuren produzierte Glastypen. Bewusst wurden ältere Gläser mit aufgenommen, um den „Gravurenfinder“ langfristig zu einem Kompendium auszubauen, das auch die Identifikation älterer Gläser ermöglicht.

Bei der Herstellung von Brillen ist insbesondere die Zentrierung von Gleitsichtgläsern eine wichtige Voraussetzung für einen hohen Qualitätsstandard.
Jedes Gleitsichtglas wird heute mit zwei Markierungssystemen ausgeliefert, ohne die die korrekte Handhabung der komplexen Optik im Augenoptikerbetrieb nicht möglich wäre: Die „Stempelung“ wird aufgedruckt und ist deutlich sichtbar. Sie leistet vielen Optikern eine gute Orientierung, auch wenn sie verfahrensbedingt nicht sehr präzise aufgebracht werden kann. Ungenauigkeiten von bis zu 1 mm sind möglich [1].
Allerdings haftet dieser Druck oftmals nicht sehr fest auf der Glasoberfläche, so dass er nach der Bearbeitung häufig ganz oder teilweise verschwunden ist.
Für die exakte Vermessung und Zentrierung sind daher stets die Permanentmarkierungen maßgebend. Mit diesen sogenannten Mikrogravuren wird jedes Gleitsichtglas gemäß DIN EN ISO 8980 gekennzeichnet:
  • Markierung der Ausrichtung (zwei Markierungen im Abstand von 34 mm)
  • Angabe der Nahzusatzwirkung (in Dioptrien)
  • Angabe des Herstellers oder des Lieferanten oder des Handelsnamens oder des Warenzeichens
Häufig werden diese zwingend vorgeschriebenen Gravuren noch durch weitere Mikrogravuren wie durch das Herstellerlogo und/oder durch individuelle Kennzeichnungen ergänzt. Mit Hilfe der Gravuren lassen sich daher viele wichtige Informationen – vom Hersteller über den Glastyp bis hin zur Addition – ablesen.
Vorausgesetzt, man kann die unter normalen Beleuchtungsverhältnissen fast unsichtbaren Mikrogravuren erkennen und die erkannten Symbole dem richtigen Glastyp zuordnen.
Speziell auf die Bedürfnisse des qualitätsorientierten Augenoptikers zugeschnitten, hat LUMOS zwei Geräte entwickelt, die das Auffinden der „unsichtbaren“ Mikrogravuren ermöglichen.
Das Gravurerkennungsgerät Visualize (Abb.2) macht durch die Kombination einer speziellen Beleuchtung mit einem Vergrößerungsglas Mikrogravuren sichtbar. Dabei ist das Gerät so gebaut, dass sowohl rohkantige Gläser, als auch verglaste Brillen geprüft werden können.
Besonders erwähnenswert ist, dass die Gläser fest auf eine Auflage aufgelegt werden und nicht freihändig gehalten werden müssen. Dies bedeutet eine große Erleichterung bei dem präzisen Anzeichnen der Mikrogravuren.
In Ergänzung zum Visualize, der allein der Gravurerkennung dient, ist der Q-Check ein multifunktionales Gerät zur professionellen Qualitätsprüfung von Korrektionsbrillen (Abb. 3). Neben der Gravurerkennung beinhaltet der Q-Check Funktionen zur Zentrierprüfung und Gravurerkennung, zum Oberflächenscreening sowie zur Spannungsprüfung.
Mit dem Q-Check wird die direkte Zentrierprüfung anhand der Gravuren von Gleitsichtbrillen ermöglicht (Abb.4). Fehlerquellen, die durch die übliche Arbeitsweise (Gravur erkennen, anzeichnen, Schablone suchen, ausrichten, mit dem PD-Stab vermessen) entstehen, können durch die direkte Prüfung an einer dauerhaften, unveränderten und genormten Position – der Gravur – vermieden werden.
Die Gravuren werden dazu mit Hilfe eines speziellen Kontrastverfahrens „sichtbar“ gemacht. Eine Lupe zur Vergrößerung sorgt für das leichte Erkennen der Gravur. Die Bestimmung der Zentrierwerte erfolgt mit Hilfe einer Skalenplatte, die universal für Ein- und Mehrstärkengläser sowie für Gleitsichtgläser einsetzbar ist. Das verwendete Verfahren sorgt dafür, dass beim Messen sogenannte Parallaxefehler vermieden werden.
Nachdem nun die Mikrogravur erkannt ist, stand man bisher bei unbekannten Glastypen vor der häufig umständlichen und aufwändigen Suche nach Hersteller, Glastyp und Glasdaten. Dieses Problem ist nun mit dem Gravurenfinder gelöst worden.
Der Gravurenfinder enthält mehr als 800 Gläser, die nach Herstellern und Glasnamen alphabetisch sortiert sind. Das Bestimmungsbuch wird von der Lumos GmbH in Ratingen herausgegeben und über die MSL International AG vertrieben. Geplant ist die jährliche Aktualisierung durch Ergänzungslieferungen, sowie eine komplette Neuauflage alle drei Jahre.
Das gesuchte Glas kann auf verschiedene Weisen gefunden werden:
  • Sind Hersteller und Name des Glases bekannt, so kann direkt die entsprechende Seite aufgeschlagen werden (Abb.5)
  • Ist nur der Glasname bekannt, wird das alphabetisch sortierte Register mit allen Glasbezeichnungen verwendet.
  • Ist nur der Hersteller, aber nicht die Glasbezeichnung bekannt, kann mit der glastypischen Gravur das Glas identifiziert werden. Benutzt wird hierzu das Register mit allen Mikrogravuren, der im Gravurenfinder enthaltenen Gläser.
  • Ist weder Hersteller noch Glasbezeichnung bekannt, so reicht auch die Gravur allein aus, um Hersteller und Glasbezeichnung zu finden. Benutzt wird hierzu das Register mit allen Mikrogravuren (Abb.6).
Neben der Identifikation von Gläsern dient der Gravurenfinder auch:
  • zur schnellen Ermittlung des Abstandes zwischen Zentrierkreuz und Gravuren
  • der Überprüfung der Einschleifhöhe bei fertigen Brillen
  • dem Anzeichnen bzw. der Rekonstruktion des Zentrierkreuzes
  • als Übersicht über die erforderliche Mindesthöhe beim Einschleifen
Besonderer Wert wurde bei der Erstellung des Gravurenfinders auf die einfache Handhabung und übersichtliche Darstellung gelegt. Die Gläser aller Hersteller sind im gleichen Schema (Abb.7) dargestellt, wobei die folgenden Regeln verwendet wurden:
  • Alle Gläser sind als rechtes Glas gezeigt.
  • Fernzentrierkreuz und Nahmesskreis werden standardisiert dargestellt.
  • die Gravursymbole sind zur besseren Sichtbarkeit vergrößert dargestellt.
Neben Gleitsichtgläsern wurden auch Einstärkengläser mit Mikrogravuren aufgenommen, Abb.8 zeigt eine standardisierte Darstellung für diese Gläser.
Mit den vorgestellten Lösungen erhält der Augenoptiker sinnvolle Helfer für die tägliche Arbeit. Gläser lassen sich einfach und schnell anhand der Gravuren identifizieren oder die Zentrierdaten einer eingeschliffenen Brille ermitteln.
Dr. Jörg Luderich, Kerstin Hartmann, LUMOS GmbH
[1] Diepes, Heinz/ Blendowske, Ralf: Optik und Technik der Brille, DOZ-Verlag Optische Fachveröffentlichung