Licht im Handel

Wenn‘s dunkel wird, gehen die Lichter an. So weit so gut. Im stationären Handel aber zu wenig. Die Beleuchtung von Verkaufsräumen verlangt mehr, als Helligkeit ins Dunkel zu bringen. Licht hat als Gestaltungselement eine Bedeutung wie die Ladeneinrichtung.

Autor: Robert Dietl

Im Grunde ist es so: Sie können eine gelungene Einrichtungsplanung mit einem schlechten Lichtkonzept in die Mittelmäßigkeit zurückstufen. Selbst eine überalterte Ladengestaltung kann aber mit einem gelungenen Licht-Update deutlich verbessert werden. Licht ist als Werkzeug zu verstehen, es erfüllt keinen Selbstzweck, es fungiert als Katalysator eines Gesamtkonzeptes.

Hier sind wir auch schon beim Punkt: das Gesamtkonzept! Ich muss wissen, in welcher Weise ich mein Unternehmen inszenieren will. Eine farbenfrohe Einrichtung und dazu ein bläulich kaltes Licht – keine gute Lösung. Ihr Sortiment überzeugt durch hochwertige Materialien aber alles wird von den Wandflutern nur in Flächenlicht getaucht – entscheidende Produktvorteile werden sie dadurch verspielen. Nehmen wir eine Anleihe in der Natur. Ein und dieselbe Landschaft erleben wir vom Morgenrot bis zum fahlen Mondlicht in immer wieder anderen Stimmungen – einzig und alleine durch das Licht. Belebend, bunt, entspannend, romantisch, bedrückend und auch bedrohlich, alles nur durch wechselnde Lichtintensität.

Gehen wir der Reihe nach die neuralgischen Punkte und notwendigen Anforderungen an eine Lichtanlage durch. Alles beginnt mit der Fernwirkung. Das betrifft die Geschäftsfassade an der Straße ebenso wie den Markenshop auf der Großfläche. Verschiedene Situationen ähnliche Probleme. Beide sind umzingelt von anderen Wettbewerbern. Beide wollen die Aufmerksamkeit des bewegten Konsumenten erhaschen, ihn verlangsamen und in ihre Richtung umleiten. Gibt es hohes Umgebungslicht, kann weniger aber punktuell gesetztes Licht die Lösung sein. Zwei schmale kräftige Lichtsäulen zwischen die Fenster gesetzt, dazu ein beleuchtetes Logo und selbstverständlich ein pointierter Eingangsbereich – so wird Minimalismus zum Blickfang.

Licht als Leitsystem

Ihr Kunde soll zur Ware! Leiten wir ihn hin. Vergleichen wir es mit einer Fahrt durch einen Tunnel. Die Einfahrt ist hell, danach verringert sich die Lichtstärke. Die Leitlichter an den Wänden geben ihnen dafür Orientierung und das gute Gefühl am richtigen Weg zu sein. Dann kommt es, das viel zitierte „Licht am Ende des Tunnels“ – die Lichtintensität wird wieder deutlich angehoben.

Stellen wir uns nun ihr Geschäft als Tunnel vor. Der helle Eingangsbereich wirkt einladend, die Leitlichter sind in diesem Fall die gesetzten Spots auf einzelne Produkte oder speziell präsentierte Themenbereiche (z.B. Tische oder Vitrinen) und in der Tiefe des Geschäftes oder der Abteilung setzen wir den Lichtpunkt der als Magnet dient (oder eben das Licht am Ende des Tunnels).

Lumen, Lux und Kelvin

In diesen paar Zeilen habe ich einige nützliche und allgemeingültige Betrachtungen über Licht im Ladenbau bildhaft weiterzugeben versucht. Auf technische Beschreibungen verzichte ich bewusst. Ob die Lichtfarbe 2700K oder doch 4000K im Einzelfall richtig ist, kann ausschließlich am Projekt beurteilt werden. Dass eine Vinothek ziemlich sicher mit einer niedrigeren Lumenzahl als Grundbeleuchtung ihr Auskommen findet als ein Augenoptiker, davon kann man ausgehen. Trotzdem gibt es keine verbindlichen Werte, weder für den einen noch den anderen Fall. Strahler an einer Stromschiene oder Linsentechnologie direkt am Regalboden, die Raumhöhe durch indirektes Licht betonen oder genau das Gegenteil, dafür gibt es keine Ferndiagnose. Es gibt kein falsches Licht. Es gibt nur Licht, das nicht zum Geschäftskonzept passt. Um das zu vermeiden, führen Sie ausgiebige Gespräche mit ihrem Lichtplaner.

Zum Autor: Der Ladenbauexperte Robert Dietl ist Inhaber des Planungs- und Beratungsbüros Dietl-Konzepte für den Handel mit Sitz in Amstetten.

www.robert-dietl.at