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Tricks und Kniffe zur Verglasung

pure-Brillenfassungen von Flair zeichnen sich durch das geringe Gewicht und höchsten Tragekomfort aus. Als Material wird Bio–Steel verwendet. Dieses ist eine Edelstahl-Legierung mit den Hauptbestandteilen Chrom und Mangan. Das Hightechmaterial stammt aus der Medizintechnik und wird verstärkt im dentalen Bereich oder bei Implantaten, also in empfindlichen und sterilen Bereichen verwendet. Peter Ottenhausen gibt Tipps, Tricks und Kniffe rund um die Verglasung der pure.

Die klassische pure
Durch das geringe Gewicht der pure Fassungen erreichen wir höchsten Tragekomfort. Verschiedene Nasenauflagen ermöglichen eine sehr universelle Versorgung des Kunden. Vom klassischen W-Steg mit nachträglich montierbaren Stegstützen über die Stegvariante mit extraweichen Silikonpads bis zum Steg mit Schraubpads, den wir in 18 mm oder 20 mm Stegweite anbieten, gibt es für jede Nase die optimale Lösung.

Durch etliche Kombinationsmöglichkeiten in Form und Farbe besteht im Beratungsgespräch beim Optiker die Möglichkeit eine individuelle Brille für den Kunden zu kreieren. Speziell hierfür haben wir eine pure-Box mit vielen verschiedenen Glasformen und Brücke – Bügelkombinationen zusammengestellt, die mit Hilfe eines neu entwickelten Adapters in kürzester Zeit zu neuen Modellen kombiniert werden können.
Durch eine spezielle Verglasungstechnik mit einem hochelastischen Nylonfaden reduzieren wir die Bruchgefahr auf ein Minimum.
Fast alles ist möglich
Durch die Befestigung mit Nylonfäden haben wir im Minusbereich keine Randstärkenbegrenzung, theoretisch sind Randstärken bis 13 mm möglich. Im Plusbereich empfehlen wir eine Mindestranddicke von 1,8 mm. Eine Besonderheit sind die pure – Modelle mit Dreieck / Viereck / Halbkreis – Fräsungen. Hier verschmilzt die Kombination Brillenglas – Bügel zu einer Einheit. Wir empfehlen die Fräsungen bis zu einer Randstärke von 6,0 mm. Besonders im Plusbereich sind die Modelle mit Fräsung geeignet, da erst im Innenbereich der Fräsung die gewünschte Materialstärke von 1,8 mm benötigt wird, somit die Randstärke geringer ausfallen kann.
pure Besonderheiten
Schneckenscharnier
Ein FLAIR – Patent das ohne Schraube auskommt. Durch ein spezielles Wicklungsverfahren wird das Bio – Steel Material in die Form der Schnecke gebracht. Dadurch ergibt sich die exakte Gangregulierung und die extrem hohe Belastbarkeit. Nachregulieren ist möglich, da es bei FLAIR ein spezielles Öl zur Schmierung des Schneckenscharniers gibt. Die pure Brillen sind sogar als Sportbrillen nutzbar, wir empfehlen zur Verglasung den Brechungsindex 1,6 und 1,67.
Verbindungstechnik
Für unsere patentierte Verknotungstechnik benötigt man einen speziellen Nylonfaden in 0,4 mm Materialstärke. Dieser hat eine sehr hohe Reißkraft (10 kg) und durch die hohe Bruchdehnung (über 25%) wird das Glasbruchrisiko minimiert. Er ist absolut Transparent und hat eine hohe UV Beständigkeit. Wir empfehlen nur diesen Nylonfaden für die Verknotungstechnik zu benutzen.
Bohrschablone
Die Bohrschablone wird für das exakte Bohren mit Handbohrmotor oder klassischer Tischbohrmaschine benötigt. Die Bohrungen sind im 90° Winkel zur Glasoberfläche und haben einen vorgegebenen Abstand zum Glasrand.
Häufig tritt das Problem auf, dass die Schablone auf den hydrophoben Glasoberflächen nicht hält. Wir empfehlen die Schablone mit Hilfe einer Anti – Torsionsfolie auf das Glas zu kleben und dann durchzubohren.
Eine andere Möglichkeit ist, die Schablone nicht aufzukleben, sondern nur aufzulegen und mit dem 0,9 mm Bohrer (eingespannt in ein Stiftenkölbchen) die Bohrlöcher nur durch die Schablone anzukörnen. Gebohrt wird dann ohne Schablone. Der Vorteil ist die geringere Hitzeentwicklung und dass man vor dem Bohren schon sehen kann, ob die Löcher in einer Linie sind.
Noch einfacher ist das Bohren mit der LessStress Tischbohrmaschine. Die Bohrkoordinaten sind für alle pure Fassungen gleich, und zwar den 0,9 mm Bohrer am Glasrand anschlagen, die Digitalanzeige auf Null stellen und die drei Löcher auf 2,15 / 4,15 / 6,15 bohren.
Verglasungsanleitung pure Technology
Erst mal anschauen
Alle unsere Verglasungsanleitungen sind auf CD oder im Internet (www.flair.de) zu sehen. Für die Arbeit in der Werkstatt liegt jeder neuen Brille eine Kurzanleitung zur Verglasung bei.
Jetzt im Detail
Folgende Werkzeuge werden für die optimale Verglasung benötigt: Mit dem Kugelkopfbohrer 1,4 mm werden alle Bohrlöcher leicht entgratet und das mittlere Bohrloch von der Innenseite soweit eingebohrt bis der Bohrerkopf mit der Glasoberfläche abschließt .
Diese neue Bohrung wird mit einem 3,0 mm Kugelkopf oder einem Kegelsenker wieder leicht entgratet. Dieses ist wichtig damit der Knoten sauber in die 1,4 mm Senkung rutschen kann und die Zange beim Fadenkürzen keinen Abdruck am Bohrlochrand hinterlässt.
Als nächstes muss kontrolliert werden ob Brücke / Backe so im Bohrloch sitzen, dass die Gesteckteile parallel zur Glasoberfläche und seitlich am Glasrand anliegen (eventuell nachbiegen). Erst dann den original FLAIR Nylonfaden 0,4 mm nehmen und die Gesteckteile verknoten. Für das Kürzen der Nylonfäden haben wir eine pure-Präzisionszange im Angebot.
Richtiges Werkzeug
Eine komplette Werkzeugliste ist auf unserer Internetseite (www. flair.de) einzusehen.
Für die Kunden, die mit klassischer Tischbohrmaschine oder Handbohrmotor arbeiten, haben wir einen neuen Werkzeugkasten zusammengestellt.
Fräsungen in Perfektion
  • Fräsen von Hand: Die beste Möglichkeit handwerklich zu fräsen, ist die Nutzung eines Hand-bohrmotors. Hierbei ist darauf zu achten, dass das Handstück ganz vorne am Fräser zu halten ist, um eine sichere Verbindung von Brillenglas und Werkzeug zu gewährleisten. Alle benötigten Fräswerkzeuge und Fräsanleitungen haben wir für Sie zusammengestellt.
  • Fräsen mit LessStress: Für alle Kunden, die mit der LessStress Tischbohrmaschine arbeiten, haben wir ein Zubehör-Set entwickelt, das alle Fräsungen sicher und problemlos macht (siehe Beiblatt).
  • CNC Technik: Alle Bohrkoordinaten für die komplette FLAIR – Kollektion sind im Internet hinterlegt. Speziell für die Modelle mit Frästechnik werden in Zusammenarbeit mit Fa. Breitfeld & Schliekert die Koordinaten für den Me 1000 erstellt. Natürlich sind auch für die LessStress Nutzer alle Bohrkoordinaten im Internet abrufbar.
Tricks und Kniffe
Kurvenlineal
Häufiges Problem bei der Vorbereitung zum Bohren ist es erst einmal eine gerade Linie auf das Glas zu bringen. Hierfür gibt es zwei Kurvenlineale in den Grundkurven 4 und 6. Kurve 4 ist sinnvoll für alle Minusgläser und Plusgläser bis ca.1,0 dpt. Kurve 6 für alle Plusgläser über 1,0 dpt. Wichtig ist es die Anzeichnung immer von einer Seite zu machen, z.B. von unten.
Kombischlüssel
Das Problem kennt jeder: Schrauben und Gewindestifte müssen gekürzt werden, nimmt man einen Seitenschneider wird das Material gequetscht, ein Grat entsteht und muss abgefeilt oder gefräst werden – ein Risiko!
Wir haben ein Kombiwerkzeug entwickelt, eine Seite Sternmutterschlüssel und die andere Seite ist zum Abbrechen der 1,2 mm Gewindestifte. Dadurch entsteht kein Grat und man kann die Sternmutter problemlos gegen eine Hutmutter austauschen. Die Hutmutter ist so dimensioniert, dass der scharfkantige Rest der Gewindestange sich leicht in den Hut einschneidet und somit eine zusätzliche Schraubensicherung bietet.
Wir verwenden ausschließlich Metallunterlegscheiben, keine Kunststoffscheiben, die häufig nach einer gewissen Zeit spröde werden und brechen können.
Ein Tipp, wenn sich die Schraube mitdreht, ein Stück Leder auf den Schraubenkopf legen. Dadurch hat man doppelt soviel Kraft bevor sich der Schraubenkopf mitdreht und man mit der „Dritten Hand“ arbeiten muss.
Optimale Politur
Problem: Absätze vom Maschinenschleifen, dadurch muss sehr lange poliert werden. Lassen sie vom Tischler eine Hartholzscheibe drechseln, die ca. 80 mm Durchmesser hat und 20 mm hoch ist. Darauf wird 1.000er Schmirgelpapier aufgeklebt, mit Wasser angefeuchtet (Schwamm) und anschließend wird der Glasrand komplett damit abgezogen. Dadurch wird der Poliervorgang wesentlich verkürzt.
Poliert wird mit harter Filzscheibe und je nach Glasmaterial Lapidierpaste (weiches Material z.B. CR39), beiges Glanzwachs (harte Materialien) und Polierwachs blau (Polycarbonat). Je nach Druck und Geschwindigkeit zwischen Glanzwachs und Lapidierpaste variieren!
Für das Finish nehmen Sie eine harte Filzscheibe, sägen diese ein, bespannen sie mit einem zugeschnittenen Leder (Haushalts- / Autoleder), die Enden werden in den gesägten Spalt gedrückt z.B. mit einem Kurvenlineal und dann wird mit wenig Druck hochglanzpoliert.
Fuschen
Machen wir natürlich nicht – aber, wenn doch mal ein Bohrloch nicht passt wird es mit Reibahle oder Lochfeile in die korrekte Position gebracht. Dann wird das Langloch an markierter Stelle mit einem Diamantbohrer auf 1,8 mm aufgebohrt und wieder entgratet.
Ein Schrumpfschlauch (1 mm länger als Glasdicke) wird auf den Gewindestift gebracht und geschrumpft. Metallunterlegscheibe und Mutter werden aufgesetzt, dadurch quetscht sich das überschüssige Material in die Richtung aus der das Bohrloch verschoben wurde (Langloch). Wir erhalten eine dauerhaft elastische Verbindung, die bis zu einer Verschiebung von 0,6 mm absolut unsichtbar ist.
Peter Ottenhausen