FLEYE, Hedehusene, Dänemark

Träume

Von schönen Autos kann man in Dänemark nur träumen. Sie sind so teuer, dass sie kaum erschwinglich sind. Was tun, wenn man ihnen ‚verfallen’ ist und nicht nur träumen mag? Annette Saust Estø, Brillenmacherin von Beruf und Passion, setzt Details der Autos in ihren Brillen um.

Annette Saust Estø arbeitete bei Copenhagen Eyes, einer Firma, die Titan-Fassungen herstellt. „Ich war dort keine Designerin, aber ich wurde dazu.“ Der Inhaber fragte eines Tages, ob sie eine Idee für eine neue Fassung hätte. Sie solle es doch einmal versuchen. Sie versuchte und stellte fest, dass ein Talent in ihr geschlummert hatte.

„Ich habe in meinem Leben so viele Gesichter gesehen,“ sagt die gelernte Augenoptikerin. „Immer wenn ich ihnen eine Fassung aufsetzte, habe ich gedacht: Wenn die Brille ein bisschen höher, ein bisschen breiter, ein bisschen dies und ein bisschen das wäre oder eine andere Farbe hätte, dann wäre sie perfekt. Am Anfang habe ich also nur anderes Design verändert, dann eigenes entwickelt.“
Sie dachte viel über Proportionen der Gesichter nach. „Es ist sehr wichtig, die genauen Proportionen zu beachten. Deshalb mache ich Brillen für alle Arten von Gesichtern.“ Annette Saust Estø kann es gar nicht leiden, wenn ein Augenoptiker die Entscheidung, ihre Brillen zu kaufen, davon abhängig macht, wie die Fassungen in seinem Gesicht aussehen. Dann kann die gut gelaunte Dänin schon einmal unwirsch werden und pikiert fragen, ob denn alle seine Kunden so aussähen wie er.
Zusammen mit zwei Partnern – Hanne Rosenvold Anderson und Lars Halstrøm – ist die quirlige Frau, deren rote Haarfarbe sie schon von weitem ankündigt, selbständig. Fine Looking Eye, verkürzt zu Fleye. Seit vier Jahren ist das Unternehmen auf dem Markt. Zuerst hauptsächlich und sehr bekannt im skandinavischen Raum. „Der Schritt nach Deutschland war dann nicht mehr so groß,“ erzählt Annette Saust Estø. „Wir haben vor acht Monaten mit einer Vertretung in München angefangen (Martin Tordsson ist zuständig und unter 0049(0)1783671294 zu erreichen) und einige Großhändler, die wir auf internationalen Messen kennen gelernt haben, kontaktiert. Gleichzeitig haben auch die Augenoptiker unsere website entdeckt und schon Kontakt aufgenommen. Das war der ‚kleine Beginn’, wir werden langsam bekannter.“
Erklärtes Ziel von Fleye ist jedoch, keine Massenware herzustellen und nicht bei jedem Augenoptiker vertreten zu sein. „Wir suchen uns unsere Kunden sehr sorgfältig aus und wollen in den richtigen Geschäften sein. Es ist nicht notwendig, den größten Laden zu haben, es muss der richtige sein. Uns ist Freundschaft und Partnerschaft mit unseren Kunden wichtig. Wenn sie unsere Fassungen lieben, verkaufen sie sie auch gut.“
Wichtig ist Annette Saust Estø der Überraschungseffekt ihrer Fassungen. Neben der optischen Anmutung verwundert die Leichtigkeit der einzelnen Modelle. Gewollter Effekt. „It looks heavy but it does not feel heavy,” lacht sie. Das Design lässt die Fassungen kraftvoll wirken, ohne schwer zu sein.
Viele Kunden fragten inzwischen auch bei Fleye nach einer Fassung, die man verändern kann. Verändern für unterschiedliche Gelegenheiten oder Garderoben. „Alles schon einmal da gewesen,“ meint Anette Saust augenzwinkernd „und ich bin so alt, dass ich mich daran erinnere, dass alles wieder kommt.“ Sie ließ sich etwas einfallen. Zu den Modellen ‚Sol, Hel und Syn‘ wird ein zusätzlicher Oberbalken verkauft. Er hält ganz leicht mit Klammern an der Fassung. Diesen Oberbalken gibt es in verschiedenen Farben, Formen, mit und ohne Steine. „Die Lösung für den ‚verzweifelten Mann’. Sucht er ein schönes Geschenk für die Dame seiner Wahl, geht er zum Augenoptiker. Der verkauft ihm dann je nach Geldbeutel einen Oberbalken mit Strass oder echten Steinen. Ist doch eine Idee!
Wenn Sie sich jetzt fragen, wo die Auto-Träume von Annette Saust Estø in ihren Brillen wiederzufinden sind, schauen Sie sie einfach mal genau an. Ich wette, Sie finden sie auf Anhieb. Und nach der Messe in München werden Sie sicher noch mehr entdecken können. Denn: „In München gibt es so viele Autos, ein Traum!“
Ulla Schmidt