Colibri, Lübeck

Small is smarter

Haben Sie unter Ihren Kunden auch so schmale Gesichter, in die gängige Fassungen nicht hineinpassen wollen? Kinderbrillen sind kein Ausweg. Selbst bauen? Wie immer zeigen wir Ihnen eine Alternative: Der Augenoptiker Wolfgang Reckzeh hat Ihnen die Arbeit längst abgenommen. Lesen Sie, was ihn dazu bewogen hat.

Mechanik oder Feinmechanik war immer sein Ding. Irgendetwas, was in diese Richtung ging. Etwas, das mit Handwerk zu tun hat. Er lernte Augenoptiker. „Damals spielte das Verkaufen noch keine so große Rolle wie heute. Das Handwerk war gefragt“, erinnert sich Wolfgang Reckzeh. Und das Handwerk war genau das, was er auch wollte.

Auf der Meisterschule in Köln gab es den Herrn Gatzke, der schon damals die schönsten Naturhorn- oder Holzbrillen trug. Selbst gemachte selbstverständlich. Auch in der Schule wurde Wert gelegt auf das Handwerkliche, aufs Brillenbauen.
Wolfgang Reckzeh fing an Brillen zu bauen. Er fuhr zu Hoffman in der Eifel, besorgte sich Naturhorn-Platten, baute auch aus Plexiglas. Fantasievolle Anfänge.
Vor 16 Jahren machte er sich als Augenoptiker selbständig. Walter Hermann heißt sein Geschäftspartner. Ein kleiner Laden im Herzen von Lübeck, in der Nähe des Holstentors.
Vor einiger Zeit konnte die Geschäftsfläche des Juweliers nebenan mit einbezogen werden. Man baute aus und um. Heute ist der Laden großzügig, modern, kommt gut an. Mehr als 15 Mitarbeiter sind beschäftigt.
Schon lange gibt es eine Frau Reckzeh. Zierlich, mit schmalem Gesicht. Für sie und schmalgesichtige Kundinnen gab es einen Geschäftskontakt. Jemand, der kleine Edelstahl-Brillen fertigte. Leider gibt es die Firma nicht mehr. Man bekam keine kleinen Brillen. Es fehlte etwas.
Dimensionen
Durch einen Zufall lernte Reckzeh einen Hersteller in Rathenow kennen. Der wollte für ihn fertigen mit einem Minimum von 25 Brillen pro Farbe. Design Wolfgang Reckzeh, hergestellt in Deutschland. Damit fing es an. Frau Reckzeh bekam eine passende Brille, Kundinnen von Augenoptik Colibri auch.
„Vor sieben Jahren war uns nicht klar, welche Dimensionen das annehmen könnte. Wir haben nur gedacht, wir fahren mal auf die Münchner Messe und verkaufen die Fassungen auch an Kollegen.“ Ganz offensichtlich hatte Reckzeh mit seinen Colibri-Fassungen eine Marktlücke gefüllt. Er fuhr mit einer Produktionsmenge nach München, verkaufte aber das Doppelte. Gleich auf der ersten Messe.
Inzwischen gibt es Colibri-Lesebrillen, Sonnenbrillen, Korrektionsfassungen aus Acetat und Edelstahl. Reckzeh sieht sich nicht als Designer, der luxuriöse Fassungen zu einem luxuriösen Preis gestaltet und herstellt. Seine Fassungen liegen im mittleren Preissegment. Auch wenn er in diesem Jahr Preissteigerungen hinnehmen musste, die einen Unternehmer schon mal in die Knie zwingen können. Mann oder Frau soll sich seine Fassungen leisten können.
Als Augenoptiker hat er mit seinem Geschäft (und den Colibris) ein Einzugsgebiet von 150 km. Er sieht die Nachfragen aus ganz Deutschland auf seiner Internetseite. Privatkontakte, die er dann an die jeweiligen Augenoptiker in den verschiedenen Städten weitergibt. Es spricht sich herum, wenn in schmalen Gesichtern passende Brillen sitzen. Die Kunden werden darauf angesprochen, sie geben den Kontakt weiter. Fast ein Selbstläufer.
Bei allem ist und bleibt Wolfgang Reckzeh in erster Linie Augenoptiker. Er sieht sich gut untergebracht im Kreis derer, die in den letzten Jahren Trends gesetzt haben. Kleine Hersteller, die alle Augenoptiker sind. Ich muss sie Ihnen nicht aufzählen. „Wir sind Spezialisten. Vom Geschäft her gesehen Trendoptiker. Wir erkennen Trends, machen sie auch und bieten für wirklich spezielle Kundenanforderungen die Lösung.“
Ist eine neue Kollektion kleiner Colibris entstanden, werden die Kunden angeschrieben. Die Colibri-Träger. Das ergibt eine hohe Kundenbindung. „Als Augenoptiker muss ich mir mein Profil vorher gut überlegen. Ich muss keine große Bandbreite abdecken und konzentriere mich auf bestimmte Richtungen. Die lebe ich auch. Vielleicht hätte ich ohne meine Frau große Brillen gemacht für breite Köpfe. Ein nächstes Projekt habe ich schon im Kopf. Für meine Begriffe fehlen wirklich witzige und interessante Halbbrillen. Ich habe ein paar Ideen dazu.“
Vorerst gibt es aber von Wolfgang Reckzeh die kleinen Colibris. Schauen Sie sich ‚small is smarter’ auf der nächsten Messe an oder vorher schon unter www.colibris.eu
Ulla Schmidt
Fotos: Colibri, Frank Herrmann