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Gemeinsam gegen das Fortschreiten der Myopie

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Gemeinsam gegen das Fortschreiten der Myopie

Am 11. Juni 2022 fand in Wien der erste österreichische Myopie-Kongress unter der Organisation der OHI statt. Über 140 Augenoptiker, Augenärzte, Optometristen und Orthoptisten fanden sich im Dachsaal der Wiener Urania ein und informierten sich zu den aktuellen Strategien im Myopiemanagement. Neben zwölf Vorträgen der innovationsführenden Industrie stand ein interdisziplinärer Austausch im Vordergrund.

Laut vielen Experten, wie zum Beispiel dem renommierten Brien Holden, wird weltweit bis zum Jahr 2050 die Hälfte der Bevölkerung kurzsichtig sein. Diese Entwicklung hat Studien zufolge einerseits genetische Ursachen und wird andererseits durch Umweltfaktoren getriggert. So stellt die zunehmende Naharbeit vor Bildschirmen und Smartphones, begleitet von zu wenig Zeit im Freien, einen zusätzlichen Auslöser dar. Abseits der dickeren Brillengläser bergen höhere Kurzsichtigkeiten aber auch die Gefahr Augenerkrankungen auszulösen oder sie zumindest zu begünstigen. Demnach steht das Risiko schwerer Erkrankungen wie myopische Makuladegeneration, Netzhautablösung, Glaukom und Katarakt im direkten Zusammenhang mit einer höheren Kurzsichtigkeit.

Augenoptiker, Augenärzte, Optometristen und Orthoptisten können jedoch mit geeigneten Maßnahmen bei gefährdeten Jugendlichen und Kindern das Risiko einer stark zunehmenden Kurzsichtigkeit mindern. Die aktuellsten Entwicklungen wurden am 11. Juni beim Myopie-Kongress in Wien vorgestellt.

Ursache der Myopie und Augenbaulänge sind maßgeblichen Kontrollfaktoren

„Ab einer Achsenlänge von 26 Millimetern steigt das Risiko für eine durch Myopie begünstigte Augenerkrankung signifikant an“, erklärte Oculus-Produktmanager David Kern. Er stellte im Rahmen des Kongresses das Analyseinstrument Myopia Master vor. Das Gerät wurde dazu entwickelt, um möglichst frühzeitig die Entwicklung einer Kurzsichtigkeit zu erkennen. Neben den dafür essentiellen Messwerten von Augen-Achslänge, Refraktion und Hornhautbrechkraft bietet der Myopia Master umfassende Analysen und zeigt anhand des Softwaremoduls GRAS auch den Ursprung der vorliegenden Kurzsichtigkeit. „Jeder einzeln gemessene Parameter – Achslänge, Cornea, Augenlinse – wird in das originale Gullstrandauge eingesetzt. Mittels paraxialen Optiksimulation kann dann die refraktive Veränderung für die Brillenglasebene berechnet werden“, so Kern.

Myopiemanagement mit Brillengläsern

Tatsächlich zeigen optische Methoden, wie zum Beispiel viele kleine, in das Brillenglas eingebaute Mikrolinsen, einen positiven Effekt in der erwünschten Verringerung der Myopie-Progression. Dazu berichtete Optometrist Martin Lörtscher über eine randomisierte, klinische Studie mit 157 Kindern die über einen Zeitraum von zwei Jahren lief. „Dank der H.A.L.T.-Technologie verlangsamen Stellest-Brillengläser im direkten Vergleich zu Einstärkengläsern das Fortschreiten einer Myopie bei Kindern um durchschnittlich 67 Prozent hinsichtlich der refraktiven Werte. Die Zunahme der Achslänge konnte im Vergleich zu Einstärkengläsern um durchschnittlich 0,41 Millimeter reduziert werden, wenn die Brillengläser zwölf Stunden am Tag getragen werden“, fasste Lörtscher zusammen.

Das DIMS-Konzept von Hoya beinhaltet 396 Defokus-Segmente mit jeweils einem Millimeter Durchmesser und einer +3,50 Dioptrien Wirkung. Jedes dieser Segmente ist von seinem Zentrum zu dem des nächsten 1,5 Millimeter entfernt. „In einer zweijährigen, randomisierten Doppelblind-Studie wurde anhand 183 chinesischen Kindern nachgewiesen, dass beim Tragen von MiYOSMART-Brillengläsern die refraktive Steigerung der Myopie um 60 Prozent geringer ausfällt als mit herkömmlichen Einstärkengläsern. Auch beim damit einher gehenden Anstieg der Augenbaulänge ist die Verringerung beim Tragen von MiYOSMART Brillengläsern ebenfalls 60 Prozent geringer ausgefallen“, betonte Christian Zsidek, österreichischer Geschäftsführer von Hoya.

Das MYOSLOW-Konzept von Visall fußt hingegen auf den vier Säulen Anamnese, Refraktion inklusive einer Binokularprüfung, MYOSLOW Preference Test zur Klassifikation und Strategiegespräch. Das Konzept beruht unter anderem auf der Steuerung einer möglichen Esophorie und deren Wirkung bei der Entwicklung einer Myopie. Auf den nicht zu unterschätzenden Faktor Outdoor-Indoor-Zeiten im Zusammenhang einer Myopieentwicklung erinnerte Marketingmanagerin Mareike Noé mit gelungenen, plakativen Darstellungen. Und Noé hatte auch einige praktische Ratschläge zum Kongress mitgebracht. „Gründen Sie ein Myopie-Netzwerk in Ihrer Umgebung. Integrieren Sie dazu Augenärzte, Orthoptisten, Kinderärzte, Augenkliniken, Lehrer, Kindergärtner, den schulpsychologischer Dienst und Ergotherapeuten“, riet Noé.

Innovative Lösungen mit Kontaktlinsen

Bereits im Jahr 1936 stellte Heinrich Wöhlk die ersten Kontaktlinsen – damals noch aus Glas – her. Sein Antrieb war unter anderem seine eigene Übersichtigkeit von plus acht Dioptrien. Mit der Erfindung von Plexiglas in den 40er-Jahren und der Reduzierung auf kleinere, corneale Durchmesser gelang Wöhlk die Breitentauglichkeit seiner Kontaktlinsen. Torven Ziehmer, Leitung Professional Services & Kundenmanagement bei Wöhlk, berichtete über die effektivste Innovation zum Myopiemanagement in seinem Unternehmen. „Die Kontaktlinse Wöhlk OKE ist mit einer zusätzlichen Reliefzone versehen, welche eine Beschleunigung und Verbesserung des orthokeratologischen Effektes bewirkt. Das adaptive Design dieser Kontaktlinse ermöglicht zudem auch einen raschen Trageerfolg bei den Trägern und ist sehr effizient bei der Verlangsamung einer progressiven Myopie“, so Ziehmer.

Julia Elhariri und Stefanie Karatas informierten zu den Myopie Management Optionen bei SwissLens. So ist das zertifizierte „Relax“-System bereits seit Ende 2010 erhältlich. Relax ist in verschiedenen Variationen, sowohl als individuelle sphärische und torische Weichlinsen im Drei- und im Sechs-Monatstausch, als formstabile Kontaktlinse und auch unter dem Namen „NightFlex“ als Ortho-K-Variante erhältlich. „Unsere Datenanalyse, auf Basis von 11.669 Kontaktlinsen, weist unsere Orbis-Relax-Kontaktlinse in über 79 Prozent der Fälle ein maximales Ansteigen der Myopie von nur minus 0,25 Dioptrien aus“, berichtete Vertriebsleiterin Julia Elhariri. Hinsichtlich der Anpassung der Orthokeratologie Kontaktlinse „NightFlex“ konnte Stefanie Karatas auf ihren eigenen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Sie hatte gleich beim Eintritt in das Unternehmen SwissLens die „NightFlex“ Kontaktlinsen an sich selbst ausprobiert. „Wir produzieren mittlerweile über 25.000 NightFlex-Kontaktlinsen pro Jahr. Daher haben wir viel Erfahrung in der Gestaltung der Designs. Denn beim Myopiemanagement mit Ortho-K-Kontaktlinsen ist zum Beispiel eine individuell auf den Träger berechnete Optikzone von wesentlicher Bedeutung“, betonte Karatas.

Galifa bietet zum Myopiemanagement weiche, formstabile und Ortho-K-Kontaktlinsen an. Bei den konventionellen Kontaktlinsen wird das bewährte Scalia-2-Profil eingesetzt. Alternativ steht die Ortho-K-Kontaktlinse Luna zur Auswahl. „Mit dem Online-Tool SmartFit soft, ist die Bestellung und Konfiguration weicher Myopiemanagement Kontaktlinsen einfach und effizient“, versprach Daniel Eckstein, Professional Affairs DACH. Im Zuge seines Vergleichs der Auswahlkriterien für eine Anpassung mittels der Orthokeratologie Kontaktlinse Luna gegenüber konventionellen Kontaktlinsen mit einem Scalia-2-Design. Auch hatte Eckstein ein gewichtiges zusätzliches Argument für den Einsatz von Orthokeratologie parat. „Manche Eltern wünschen sich die Nutzung von Kontaktlinsen nur unter deren Aufsicht. Dieses Bedürfnis ist jedoch in der Praxis nur mit Übernacht-Kontaktlinsen erfüllbar“, so Eckstein.

Einen anderen Ansatz im Myopiemanagement mit Kontaktlinsen verfolgt Safilens mit seinen Delivery Tyro Kontaktlinsen, die in Österreich von ottiko vertrieben werden. Sie geben Wirkstoffe an das Auge ab und sollen dadurch eine Verlangsamung der Myopie bewirken. Seit Herbst 2020 läuft dazu eine Studie an der italienischen Fondazione Banca degli Occhi del Veneto Onlus. „Das Ergebnis einer vorklinischen, statistischen Analyse hat unsere Erwartungshaltung gestärkt, da bei Testpersonen, die neun Monate die Kontaktlinsen trugen, die durchschnittliche Progression des sphärischen Äquivalents um nur minus 0,072 Dioptrien angestiegen ist. Laut dem Brien Holden Vision Institute Online-Myopie-Rechner wäre im gleichen Zeitraum jedoch ein Anstieg von durchschnittlich minus 0,467 Dioptrien zu erwarten gewesen“, zeigte sich Safilens DACH Unit Principal Michael Grasmück zuversichtlich.

Michael Klingbacher, Marketing und Vertrieb bei Hetych Kontaktlinsen, berichtete in seinem Vortrag über deren Myopiemanagement Kontaktlinse KSI. Klingbacher stellte die Ergebnisse einer von ihm erstellten Anpass-Statistik basierend auf den Daten von Kontaktlinsenanpassern vor. Die formstabile Kontaktlinse wird während der Wachphase untertags getragen und wirkt mittels einer Kombination aus einer Defokus-Vorderflächenoptik und einem minimalem Ortho-K-Effekt durch die Rückflächengestaltung. „Ich habe mit unseren Kunden, den Kontaktlinsenanpassern, 423 KSI Anpassungen evaluiert. In der Gruppe bis zum 19 Lebensjahr war bei einer durchschnittlich 38 Monate langen Nutzung die Myopiezunahme pro Jahr nur minus 0,15 Dioptrien“, so Klingbacher.

Hecht Contactlinsen kooperiert seit nunmehr fast zehn Jahren mit dem Brian Holden Institute im Zusammenhang mit Kontaktlinsen für effizientes Myopie Management. Diese Zusammenarbeit bildete die Basis für die Entwicklung des myLIFE-Konzepts. Dieses Konzept wurde sowohl bei formstabilen Corneal-Kontaktlinsen als auch bei Ortho-K-Kontaktlinsen implementiert. Die formstabile Corneal-Kontaktlinse myLIFE BIAS hat ein multifokales Wirkungsprofil auf der Vorderfläche integriert. „Das spezielle Profil der myLIFE BIAS wird in der Myopie-Prävention bei kurzsichtigen Kindern erfolgreich eingesetzt. Das Design verändert die periphere Bildschale. Weiters wird bei höheren Myopien die zentrale Fernzone kleiner gestaltet. Also je höher die Myopie, desto knapper reicht der periphere Defokus an das Zentrum der Kontaktlinse heran“, erklärte Christoph Zulechner. „Die Ortho-K-Variante myLIFE seefree ist möglicherweise bei Kindern zielführend, die mit der myLIFE BIAS oder anderen Kontaktlinsen zu wenig Präventionseffekt aufweisen“, erklärte Zulechner.

Die Tageskontaktlinse MiSight 1 day basiert auf einen peripheren Defokus, der ringförmig in zwei Zonen angeordnet ist. „In einer siebenjährigen, klinischen Langzeitstudie wurde aufgezeigt, dass der Effekt zur Verringerung der Myopisierung auch nach dem Beenden des Tragens der MiSight 1 day bestehen bleibt“, betonte Sophia Geyer, Myopiemanagement-Spezialistin bei CooperVision. „Diese klinische 7-Jahres-Studie zur MiSight 1 day ist derzeit übrigens die am längsten durchgeführte Weichlinsen-Studie bei Kindern“, so Geyer. Die Studie belegte, dass bei 59 Prozent der Träger eine signifikante Reduktion der Myopie-Progression zu beobachten war. Bei 41 Prozent der MiSight 1 day Gruppe wurde zudem kein nennenswerter Anstieg der Kurzsichtigkeit nach drei Jahren gemessen. „Die Versorgung von jungen, myopen Kindern mit der MiSight 1 day Kontaktlinse sollte so früh wie möglich gestartet werden und so lange wie möglich bestehen bleiben“, erklärte Geyer.

Der Tiroler Traditionsbetrieb Bilosa bietet eine breite Palette unterschiedlicher Kontaktlinsensysteme zum Myopiemanagement an. „Der Schwerpunkt unseres Unternehmens liegt traditionell in der Anpassberatung und damit in der Hilfestellung der Kontaktlinsenspezialisten bei der Auswahl der jeweils am besten geeigneten Kontaktlinse für ein effizientes Myopie Management an einem bestimmten Träger“, erklärte Anpassberater Florian Narnhofer. In der Bilosa-Myopiemanagement-Auswahl finden sich unter anderem formstabile und weiche Kontaktlinsen mit peripherem Defokus, Kontaktlinsen mit erweiterter Schärfentiefe, Dual-Fokus Kontaktlinsen bis hin zu Ortho-K Kontaktlinsen. „Beispielsweise können mit dem EDOF-Design bewusst Aberrationen höherer Ordnung manipuliert werden und dies wiederum ermöglicht klares Sehen in allen Entfernungen. In Folge werden unwillkommene, visuelle Kompromisse, wie Kontrastverlust, Geisterbilder und Halos stark minimiert“, berichtete Narnhofer zu einer der Kontaktlinsen aus dem Bilosa-Portfolio.

Gelungener, interdisziplinärer Kongress
in Österreich

„Die Entwicklung im Bereich des Myopiemanagements ist in den letzten Monaten und Jahren besonders schnell vorangeschritten. Wurden vor gut einem Jahr gerade die ersten Brillengläser zur Verlangsamung einer Myopieprogression im deutschsprachigen Raum präsentiert, sind es mittlerweile drei verschiedene Anbieter dafür“, gibt Walter Gutstein, Geschäftsführer der OHI, Optometrie & Hörakustik Initiative einen Überblick.

Das Thema Myopiemanagement wird aufgrund der Faktenlage zu genetischen Faktoren und dem Lebensstil in den Industrieländern vermehrt ein wichtiges Arbeitsfeld in der Augenoptik darstellen.

„Ich war sehr beeindruckt wie viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer am ersten österreichischen Myopie-Kongress teilnahmen. Das hat uns enorm für unsere zukünftige Veranstaltungen motiviert. Und wir sind je bereits voll in der Planung vom OHI UPDATE, das mit sechs wissenschaftlichen Vorträgen und einer Table-Messe mit über 40 Aussteller am Samstag, den 10. September, im Sofitel Wien stattfinden wird“, lacht Harald Belyus, Geschäftsführer der OHI, Optometrie & Hörakustik.

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