Blickpunkt Harhaus, Remscheid-Lennep

Fotoshooting

Die Zeiten in der Augenoptik sind nicht rosig. Das ist keine neue Erkenntnis. Es ist wichtig, nicht zu resignieren – wenn man nicht aufgeben will. Ideen sind gefragt. Ideen, zusätzliche Kunden in den Laden zu bringen und sie auch zu halten. Eine zündende Idee hatte Blickpunkt Harhaus. Lesen Sie, wie es dazu kam.

Regina und Helmut Harhaus sind Augenoptiker. Beide. Sie, nachdem sie keine Lehrstelle als Grafikerin bekam und er, weil er in dritter Generation ein Geschäft übernehmen sollte. Kennen gelernt haben sie sich in Köln auf der HFAK und beschlossen, das Ganze zusammen zu machen. Vor weit mehr als 20 Jahren.

Die Eltern Harhaus konnten sich nicht entschließen, ihr Geschäft den jungen Leuten allein zu überlassen. Eine Zusammenarbeit wäre – wie in den meisten Fällen zwischen Jung und Alt – nicht gut gegangen. Regina und Helmut Harhaus standen, fertig mit ihrer Ausbildung, quasi auf der Straße. Es musste weitergehen, sie entschlossen sich zur Selbständigkeit. Im Laufe der Jahre konnte ein weiterer Betrieb eines Kollegen dazu genommen werden. Einige Zeit führte das Ehepaar zwei Läden. Er in Lüttringhausen, sie in Lennep. Mit der Zeit stagnierte der gesamte Einzelhandel in Lüttringhausen. Man beschloss, den Laden dort sukzessive zu schließen. Heute gibt es in dem kleinen Ort nur noch Aldi und Schlecker, der Einzelhandel ist quasi nicht mehr vorhanden. Der Laden in Lennep, in dem Regina Harhaus saß, lief weiter, wechselte jedoch seinen Standort.
Vor seiner Eingemeindung nach Remscheid war Lennep Kreisstadt, der Dreh- und Angelpunkt des ganzen Bergischen Landes. Die Altstadt ist weltberühmt, stammt noch aus dem Mittelalter. Drei mal abgebrannt, wurde sie jedes Mal wieder auf den Grundmauern der alten Häuser im alten Stil aufgebaut. Der Kern ist ein Rundling, wie man diese Städte nannte. Noch heute gibt es Reste der Stadtmauer, die sich rund um den Ort zog. Es lohnt sich, die Stadt einmal anzugucken. Zumal es eine zusätzliche Attraktion gibt. Conrad Wilhelm Röntgen wurde in Lennep geboren und selbstverständlich erinnert ein eigenes Museum an ihn.
Zurück zu den Harhaus: In unmittelbarer Nähe der Altstadt liegt der ‚neue’ Laden. Groß und übersichtlich. Viel Platz innen und viel Platz in den Schaufenstern. Das sollte noch wichtig sein, doch dazu später.
Drei Mitbewerber haben ihre Geschäfte in unmittelbarer Nachbarschaft. Es galt sich abzugrenzen. Wie in jeder Ehe wurde bei Regina und Helmut Harhaus heftig und weniger heftig diskutiert. Einer hat eine Idee, der andere findet sie schrecklich. „Meistens kristallisiert sich aus solchen Diskussionen was Gutes heraus“, bestätigt das Ehepaar. Was in diesem Fall herauskam, war folgendes:
Wird eine Brille verkauft und fertig abgegeben, sollte der Kunde mit seiner neuen Brille fotografiert und die Fotos ‚Ihm oder Ihr’ zugeschickt werden. In regelmäßigen Abständen sollten die Fotos – groß aufgezogen – im Schaufenster ausgestellt werden. Obwohl Regina Harhaus einige Bedenken über die Abwicklung hatte, wurde die Aktion gestartet. Ihre Befürchtungen, keine Zeit zu haben und vertrösten zu müssen, wenn großer Andrang herrschte, bewahrheiteten sich nicht. Nicht, dass es keinen Andrang gäbe, sie ist inzwischen routiniert genug, alles auf die Reihe zu bekommen.
Von Anfang an wurde dieser Service gut aufgenommen. Jeder sieht sich ja gern gut abgebildet. Das genau ist auch das Stichwort. Einfache ‚Knipsebilder’ dürfen es nicht sein, das Ganze muss schon Studioqualität haben. Eine Fotografenlehre ist zwar nicht nötig, aber genug Talent und Können sollte schon mitgebracht werden.
An Talent und Können mangelt es den Eheleuten Harhaus nicht. Helmut Harhaus hatte schon lange Bezug und Beziehungen zu Schiffszeitungen. Er schreibt für verschiedene Fachzeitschriften in diesem Bereich und fotografiert – zusammen mit seiner Frau. Was für ihn als Hobby angefangen hat, ist heute längst Berufung. Er hat inzwischen mehrere Bücher geschrieben, das macht man nicht so nebenher.
Regina Harhaus ist nach wie vor Augenoptikerin. Gern. Sie fotografiert ihre Brillenkunden und die sind begeistert. Besonders, wenn sie sich im Schaufenster wieder finden. Freunde und Bekannte werden gern zum Optiker geführt, um die Bilder zu bewundern. Nicht selten erwächst daraus ein neuer Kontakt für den Augenoptiker. Und das ist der Sinn der Sache. Neue Kunden gewinnen durch ein Fotoshooting, das im Endeffekt nicht länger als ein Viertelstündchen dauert und den Augenoptiker wenige Cent kostet. Die Zeit dafür sollte er aufbringen. Nachdem sich heute kaum die Kunden die Klinke in die Hand geben, dürfte die nötige Zeit auch vorhanden sein. Hat man sich erst mal einen Namen gemacht – und warum nicht als Fotokünstler – warten die Kunden gern. Wenn Sie dadurch nur eine Brille mehr verkaufen, hat sich das doch schon gelohnt. Fragen Sie Regina und Helmut Harhaus einmal nach ihren Erfahrungen oder besuchen Sie sie. Sie wissen ja, neben Tipps fürs Foto-shooting ist auch Lennep eine Reise wert.
Ulla Schmidt
Fotos: Harhaus