Günther Fielmann mit seinen Kindern Sophie Luise und Marc. Foto: Carsten Milbret

Günther Fielmann feiert 80. Geburtstag

Keiner hat die augenoptische Branche so verändert und geprägt wie er: Günther Fielmann feiert heute seinen 80. Geburtstag im Kreis seiner Familie und enger Freunde in Lütjensee. Nach der Ausbildung zum staatlich geprüften Augenoptiker und Augenoptikermeister wechselte der in Stafstedt (Schleswig-Holstein) geborene Fielmann in die Industrie, sammelte Erfahrungen beim französischen Glashersteller Essilor und dem damals zweitgrößten Optikkonzern der Welt, Bausch & Lomb.

Das Unternehmen meldet dazu: Anfang der 1970er Jahre sahen augenoptische Fachgeschäfte aus wie Apotheken, Brillen waren in Schubladen versteckt. Die Augenoptiker trugen weiße Kittel, waren Herren der Vorauswahl. Wer sich keine teure „Feinbrille“ leisten konnte, musste mit einer zeitlos hässlichen Kassenbrille vorliebnehmen, trug somit den Nachweis seines niedrigen Einkommens per Sozialprothese auf der Nase.

1972 eröffnete Günther Fielmann sein erstes Brillenfachgeschäft in Cuxhaven, das einer modernen, eleganten Modeboutique gleichkam: Offen präsentierte er seine große Auswahl an Brillen und Fassungen in Metall und Kunststoff. Erstmals konnten Kunden ihre Brille selbst wählen. Den Großhändler sparte der Augenoptiker aus, kaufte schon bald direkt beim Hersteller. 1981 schloss er mit der AOK Esens einen Sondervertrag, der die Branche revolutionierte, weil er Kassenpatienten den Anspruch auf 90 verschiedene Brillenmodelle in 640 Farb- und Materialvarianten ohne Preisaufschlag ermöglichte.

Das Ende der deutschen Teilung nutzte der Unternehmer wie kaum ein anderer: 1990 schloss er einen Sondervertrag mit der Sozialversicherung der DDR. Schon vor der Wiedervereinigung hatten so auch die Menschen in Ostdeutschland Anspruch auf Fielmann-Brillen zum Nulltarif. Kurz darauf kaufte und modernisierte Günther Fielmann die ehemaligen „Rathenower Optische Werke ROW“ in Brandenburg. Heute arbeiten dort knapp 1000 Mitarbeiter, fertigen pro Jahr knapp 5 Millionen Gläser aller Veredelungsstufen und liefern etwa 15 Millionen Artikel an die Niederlassungen.

1994 erschloss Fielmann mit dem Börsengang den Kapitalmarkt, konnte das Wachstum noch weiter beschleunigen. Als erster Neuemittent brachte Fielmann die Volksaktie im Nennwert von 5,00 DM auf den Markt, die erfolgreichste Neuemission des Jahres. Bis Ende 2018 legte ihr Wert um mehr als 1000 Prozent zu.

2002 erwarb Fielmann das unter Denkmalschutz stehende Schloss Plön vom Land Schleswig-Holstein und eröffnete dort – nach aufwendiger Restaurierung des Renaissance-Baus – die Fielmann Akademie Schloss Plön. In der größten augenoptischen Bildungsstätte weltweit bildet das Unternehmen jedes Jahr mehr als 7.000 Augenoptiker aus und weiter. Den hohen Standard belegen bundesweite Auszeichnungen. Im Schnitt der letzten zehn Jahre stellte Fielmann beim Leistungswettbewerb des deutschen Handwerks 80 Prozent der Landessieger und 97 Prozent der Bundessieger. Die Akademie steht im Rahmen der Meisterbildung und der Kolloquien auch externen Augenoptikern offen.

Günther Fielmann hat zwei Kinder aus der Ehe mit Dr. Heike Fielmann: Sophie Luise (25) und Marc (30). Während Tochter Sophie Neuropsychologie am University College in London studiert, ist Sohn Marc bereits seit 2012 im Unternehmen tätig. Die Nachfolge im Familienunternehmen plante Günther Fielmann von langer Hand. Marc Fielmann stieg 2016 in den Vorstand auf und leitet seit 2018 das Unternehmen gemeinsam mit seinem Vater. Anfang 2019 hat Günther Fielmann sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und auch die Verantwortung für die Unternehmensstrategie an seinen Sohn übertragen und so die Weichen für die Zukunft gestellt.