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Bildschirmarbeit und Augenprobleme – worüber Optiker informieren sollten

Arbeit vor einem oder gar mehreren Bildschirmen ist für viele deutsche Angestellte und Selbstständige Alltag. Ohne den Computer sind die meisten Berufe schon nicht mehr vorstellbar. Dass die Arbeit vor dem Bildschirm diverse Augenprobleme hervorrufen kann, ist fast jedem bewusst; dennoch wird deshalb nicht auf diese Arbeit verzichtet. Optiker können im Rahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung aufklären und mit Betrieben kooperieren.

 

Bildschirmarbeit weiterhin auf dem Vormarsch?

Die nicht abreißende Debatte darum, ob Computer in den kommenden Jahrzehnten immer häufiger die Arbeitsplätze vieler Menschen übernehmen werden, lässt zweierlei vermuten: Zum einen besteht wohl eine durchaus begründete Angst vieler Beschäftigter, dass ihre mentalen, wie physischen menschlichen Fähigkeiten in Zukunft nicht mehr ausreichen und von Computern übertroffen werden. Zum anderen ist allem Anschein nach kaum noch ein zukünftiges Szenario vorstellbar, in welchem die Zahl der intelligenten Roboter und Computer eher ab-, als zunimmt. Und für das Programmieren und entwickeln dieser Technik und Maschinen wiederum werden unzählige Computer und Menschen benötigt, die mit diesen umgehen können.

Bereits im Jahr 2013 betrug der Anteil aller Beschäftigten in Deutschland, die bei ihrer Arbeit einen PC verwendeten ganze 61%; der Großteil aller Berufe also ist auf Arbeit vor dem Bildschirm angewiesen. Und abseits davon – so zumindest ergab eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Bitkom (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien) – verbringen Deutsche insgesamt oft mehr als sechs Stunden täglich vor einem oder mehreren Computerbildschirmen. Angesichts dieser Zahlen, dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung der Arbeitswelt und einem realistischen Blick in die Zukunft, ist zu erwarten, dass die Bildschirmarbeit nicht abnehmen wird. Für Optiker bedeutet das, dass die Möglichkeiten, Aufklärungsarbeit zu betreiben und im Rahmen etwa der Betrieblichen Gesundheitsförderung mit Betrieben zu kooperieren bestenfalls zunehmen werden.

 

Die Auswirkungen der Bildschirme auf die Augen

Dass die Augen bei der Arbeit am Computer zwischendurch einmal etwas müde werden oder leicht brennen, haben vermutlich die meisten, die einmal mehrere Stunden vor dem Bildschirm gesessen haben, bemerkt. Es kann aber auch zu extremeren Fällen, wie wirklichen Augen- und Kopfschmerzen, Augenflimmern, Doppelsicht und bei dauerhafter Überanstrengung gar zur Fehlsichtigkeit oder zumindest zu erheblichen Verstärkung einer solch vorhandenen kommen. Es ist durchaus möglich, dass Optiker weiterhin mit immer mehr Betroffenen zu rechnen haben. Denn aufgrund der möglichen Gefahren und Nachteile, wie gar dem Verlust des Augenlichts und den hohen Sofortkosten, ziehen diese meist nur im Extremfall operative Alternativen zur herkömmlichen Sehhilfe in Betracht.

Warum genau belasten Bildschirme nun die Augen eigentlich so stark?

Beim normalen Sehen im Alltag, etwa beim Einkauf im Supermarkt, beim Sport oder beim Spazierengehen schweift das Auge frei umher. Die Anforderungen an die Augen sind dabei natürlich ausgewogen. Bei der Bildschirmarbeit hingegen besteht eine vielfach erhöhte und häufig wechselnde Notwendigkeit der Augen zur Anpassung an diverse Helligkeiten und Entfernungen. Unterschiede bestehen bei der Dateneingabe- oder Dialogtätigkeit, wobei die Leistung, die das Auge erbringen muss, in beiden Fällen enorm sind. 12.000 bis 33.000 Kopfbewegungen und Blickbewegungen, die zwischen Bildschirm, Tastatur und Unterlagen hin- und herwechseln und 4000 bis 17.000 Pupillenreaktionen sind bei einem achtstündigen Arbeitstag durchschnittlich zu absolvieren. Gleichzeitig jedoch wird das Auge durch die Bildschirmarbeit, bei der oft auch eine starre Sicht auf gleich nahe Entfernungen und im gleichen Winkel, auf gleiche Objekte herrscht, teilweise unterfordert.

Akkomodation und Adaption als normale Vorgänge des Auges zur Anpassung an Entfernungen und Helligkeiten werden durch erschwerte Sehbedingungen nur noch unzulänglich ausgeführt. Dadurch kann es zu vorübergehender Kurzsichtigkeit von ¼ bis ½ Dioptrien führen.

 

Erschwernisse für die Augen

Gewöhnliche Erschwernisse vor allem an Arbeitsplätzen in Bürogebäuden mit wenig Platz können folgende sein:

  • Spiegelungen und Blendungen:

 

Gerade im Sommer kann der Kontrast zwischen einem Bildschirm mit weißem Hintergrund und einem hinter diesem Bildschirm liegenden Fenster selbst ohne direkte Sonneneinstrahlung Werte bis 1:1000 annehmen. Bei zu hohem Helligkeitsunterschied kommt es hierbei schnell zu Blendungen des Auges. Hinzu kommen Spiegelungen heller Lichtflecken auf dem Bildschirm, unabgeschirmte Lichtquellen und glänzende Oberflächen, die ebenfalls die Augen blenden können. Wenn die Augen immer wieder große Helligkeitsunterschiede innerhalb des zentralen Blickfeldes zu bewältigen haben, werden sie überbeansprucht und ermüden deutlich schneller.

  • Beleuchtung und Qualität des Bildschirms:

 

Am günstigsten für das Wohlbefinden der Augen sind eine direkt-indirekte Beleuchtung und viel natürliches Tageslicht. Allerdings ist dies in zahlreichen Gebäudekomplexen mit vielen kleinen Büros meist nicht gegeben. Eine Arbeitsplatzleuchte allerdings reicht für eine stabile Gesundheit der Augen nicht aus – denn ausgewogene Kontraste im Blickfeld und eine allgemeine Beleuchtung, die für ausreichend Helligkeit sorgt, sind unabdingbare Voraussetzungen, um entspannt zu sehen.

Die Erkennbarkeit und Lesbarkeit der Zeichen am Bildschirm wird weiterhin oftmals durch ein unscharfes und flimmerndes Bild, eine zu kleine Schriftgröße, eine zu große Entfernung des Schirms und Spiegelungen oder direkte Sonneneinstrahlung beeinträchtigt. Die Mängel werden versucht durch angestrengtes Sehen auszugleichen, was bei stundenlanger, konzentrierter Arbeit an einem oder mehreren Bildschirmen die Leistungsfähigkeit der Augen sinken lässt.

  • Das Raumklima:

 

Wird in Räumen mit extrem trockener Luft lange am Bildschirm gearbeitet, kommt es nicht selten zum „Office Eye Syndrom“, wobei es sich letzten Endes einfach um stark trockene Augen handelt. Begünstigt wird diese Trockenheit des Auges durch zweierlei: Zum einen setzt der starre Blick auf den Bildschirm die Lidschlagfrequenz herab. Dadurch können Horn- und Bindehaut des Auges nicht mehr mit ausreichend Tränenflüssigkeit versorgt werden. Zum anderen fördern Klimaanlagen & Co. in Gebäuden die Trockenheit der Augen. Um die Bildschirmarbeit zu erleichtern sollte eigentlich eine Luftfeuchtigkeit von 50-65% herrschen.

 

Augenerkrankungen zukünftiger Beschäftigter und Maßnahmen dagegen

Wie bereits erläutert, ist damit zu rechnen, dass Augenerkrankungen infolge von sich immer weiterverbreitender Arbeit vor dem Bildschirm, weiter zunehmen. Nach einer Untersuchung der deutschen Bundesanstalt für Arbeitsschutz- und Arbeitsmedizin – so berichtet die Pharmazeutische Zeitung online – klagten fast 80 Prozent derjenigen, die täglich länger als drei Stunden am Computer arbeiten, über Beschwerden an Augen und Rücken. Die Hälfte der Untersuchten litt unter „asthenopischen Beschwerden“, also einem Jucken, Tränen und Flimmern der Augen, an einer schnellen Ermüdung sowie an Migräne oder Schwindelanfällen. Auch das erwähnte „trockene Auge“ (manchmal auch Sicca-Syndrom genannt), bei dem es schlimmstenfalls zu Bindehautentzündungen oder gar Geschwüren kommen kann, dürfte weiterhin zu den typischen Augenerkrankungen der Zukunft gehören. Die Maßnahmen dagegen sehen unterschiedlich aus.

Im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements kommen Optiker zum Zug, indem sie über die Folgen der Bildschirmarbeit aufklären und mit diversen Konzepten und Methoden mit Betrieben kooperieren. Diese Kooperationen gewerblicher Dienstleister dienen als Präventionsmaßnahmen dem Arbeits- und Gesundheitsschutz – Betriebe und deren Mitarbeiter sowie Optiker profitieren also gleichermaßen davon.

Am üblichsten sind regelmäßige Sehtest, während derer das Sehvermögen der Mitarbeiter eines Betriebs überprüft wird. Genau geht es dabei um die Sehschärfe, das räumliche Sehen, die Stellung der Augenachsen, den Farbensinn sowie um das zentrale Gesichtsfeld.

Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet Arbeitgeber außerdem, ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern regelmäßig eine arbeitsmedizinische Untersuchung zu ermöglichen. Die Kosten hierfür trägt der Arbeitgeber. Gerade vor der Aufnahme einer Tätigkeit an Bildschirmgeräten sollte so eine Augenvorsorgeuntersuchung stattfinden. Während diese in der Regel vom Betriebsarzt oder einem Augenarzt vorgenommen wird, kommen bei der Verschreibung einer „Bildschirmbrille“ durch diesen wieder die Optiker ins Spiel. In vielen Betriebsvereinbarungen ist der Verordnungsweg für arbeitsplatzbezogene Sehhilfen sogar festgelegt, um Uneinigkeiten zwischen Augenarzt und Betriebsarzt zu vermeiden; für Optiker bietet sich auch hier eine gute Möglichkeit für dauerhafte Kooperationen mit Betrieben.

Dass die Bildschirmarbeit Stress und Schwerstarbeit für die Augen bedeuten weiß auch der Gesundheitsschutz. In der Bildschirmarbeitsverordnung (BildschirmarbV) regelt er deshalb die Bildschirmarbeit, um präventiv Beschwerden und arbeitsbedingten Erkrankungen vorzubeugen, die mit Bildschirmarbeit einhergehen können. Da lange Bildschirmarbeit nicht nur mit einer starken Beanspruchung der Augen, sondern auch mit langen Sitzzeiten ohne sonstige Bewegung verbunden ist, enthält die Bildschirmarbeitsverordnung Regelungen für einerseits die Gestaltung optimaler Sehbedingungen und andererseits solche zur Vermeidung von Zwangshaltungen und erhöhtem Stress.

Bei der Aufklärung von Betrieben über die Gefahren und die Möglichkeiten der Vermeidung dieser ist vor allem auf folgende Maßnahmen hinzuweisen:

  • Es sollten ausschließlich Bildschirme eingekauft werden, bei denen die Sehbedürfnisse der Angestellten berücksichtigt werden
  • Unter Einbezug von Beleuchtung, Raumluft und Software-Ergonomie sollte eine Gefährdungsanalyse erfolgen
  • Es sind detaillierte Schwachstellenanalysen an Arbeitsplätzen durchzuführen, sobald es Beschwerden gibt
  • Regelmäßige Sehtests von Optikern sollten durchgeführt werden
  • Regelmäßige Augenvorsorgeuntersuchungen sind ebenfalls durchzuführen
  • Die Angestellten sollten zu ergonomischen Einrichtung ihres Arbeitsplatzes im Intrante informiert werden
  • Es sollte weiterhin eine Ergonomieberatung auch zur Einstellung der Software erfolgen
  • Eine Pausen-Software sollte in Betracht gezogen werden

Ein positives Gegenbeispiel zur negativen Beeinträchtigung der Sehfähigkeiten durch Bildschirme stellt übrigens diverse Technik dar, die sehbehinderten Menschen beim Lesen oder Lernen hilft. Im Grunde „sehen“ Betroffene mit Hilfe der Computer und moderner Technik, wie sie jährlich auf der SightCity – Europas größte Hilfsmittelmesse für Sehbehinderte und Blinde – vorgestellt wird, letzten Endes sogar mehr und besser, als zuvor.