Müller Optik, Feldkirch/Vorarlberg

Treue (2)

Auch in Österreich wird DER AUGENOPTIKER schon seit Jahrzehnten gelesen. Bei Optik Müller genauer gesagt seit dem 1. Mai 1955. Wir kündigten einen Besuch an und erwarteten ein alteingesessenes – vielleicht sogar etwas konservatives – Geschäft und wurden überrascht. Alteingesessen ja, konservativ nein. Es empfing uns ein aufgeschlossener Inhaber in einem Laden mit absoluter Wohlfühlatmosphäre und hohem ästhetischen Anspruch. Lesen Sie die Geschichte von Müller Optik und Christian Müller.

Optik Müller wurde vom Großvater gegründet, vom Vater als Marktführer in Feldkirch weitergeführt. Der Vater engagierte sich stark in der Berufspolitik, war jemand ‚auf den man hörte’. Der Sohn war 16, wollte ganz gern Architekt werden, hatte aber ‚kein Interesse an Schule’. Das Zeugnis sah entsprechend aus. Seine Fähigkeiten lagen mehr im Handwerklichen, was er auch ab und an in der eigenen Werkstatt demonstrieren durfte. Dann starb der Vater. Die Mutter, eine studierte Zahnärztin, stand plötzlich mit eigenem augenoptischem Betrieb und einem halbwüchsigen Sohn allein da. Alles änderte sich.

Dank einer besonderen österreichischen Regelung konnte Müller Optik als Witwenbetrieb weitergeführt werden. Enge Freunde halfen in jeder Richtung mit Rat und Tat. Der Sohn – Christian Müller – erlernte die Augenoptik und überraschte. Der ehemalige ‚Null-Bock-Schüler’ war vom ersten Tag an Klassenbester, was beweist, dass schulische Probleme offensichtlich stark mit dem vorhandenen Interesse (oder Desinteresse) zusammenhängen. Auch die Fachschule in Berlin erledigte er mit Bravour. Eine deutsche Mitkommilitonin wurde die Ehefrau. Beide arbeiten seitdem zusammen und bilden eine unverrückbare Einheit.
Zwar war Müller Optik nach wie vor Marktführer, aber eine Marktführerschaft muss sich – wie der eine oder andere von Ihnen sicher weiß – täglich neu erarbeitet werden. Auch in Österreich laufen die Uhren nicht anders. Die Konkurrenzsituation ist die gleiche. Man hat mit Fielmann, Hartlauer und Pearl klar zu kommen. Daneben gibt es reichlich traditionelle Mitbewerber. „Aber wenn die Konkurrenz stark ist, dann heißt es nur, dass man selber besser sein muss. Ich sehe es als Ansporn“, schildert Christian Müller seine Einstellung. Auch er engagierte sich – wie schon sein Vater zuvor – stark berufspolitisch. Eine gewisse Vorbildwirkung war wohl da, besonders da der Vater vor dem sicher unausweichlichen Generationenkonflikt verstarb. Müller jun. war 15 Jahre lang aktiv in der Innung, hatte die Landesinnung inne und engagierte sich berufspolitisch auf Bundesinnungsebene, engagierte und verausgabte sich stark. Erst 2000 zog der heute 53-jährige Christian Müller die Notbremse, gab seine Innungstätigkeit auf, um ein wenig mehr Zeit zum Leben zu haben. „Das kommt so, wenn man schlecht nein sagen kann. Dann bekommt man einen Job nach dem anderen. Das geht dann hin bis zur Lokalpolitik und ähnlichen Sachen, die auch noch alle nebenher liefen. All das habe ich abgegeben, habe aber trotzdem heute nicht das Gefühl, mehr Zeit zu haben.“
Wie auch, denn Christian Müller und seine Frau erfüllten sich einen lang gehegten Wunsch. Sie bauten um. Total. Schon immer wurde in der Familie nicht in Wochenendhäuser, Boote oder andere Statussymbole investiert. Das Geld floss zurück in die Firma – eine Filiale existiert im Nachbarort. Christian Müller mit Talent und Neigung zur Architektur plante eineinhalb Jahre bis ins Kleinste vor. Innerhalb von nur sechs Wochen konnten dann 350m2 mit einem Messebauer auf die Minute genau umgebaut werden. Entstanden ist der Traumladen des Ehepaares. Nach Feng Shui-Richtlinien, durchdacht bis in den letzten Nagel. Absolut sehens- und erlebniswert. Nicht nur die Kunden fühlen sich extrem wohl. Auch die Angestellten – immerhin 16 Mitarbeiter – fühlen sich wohl und werden ernst genommen. Feste Einrichtung bei Müller Optik sind die monatlichen Mitarbeitergespräche, bei Bedarf auch mehr. Auch hier hat sich zwischen allen eine Einheit herausgebildet, die grundsätzliche Einigkeit kommt bei den Kunden gut an. Jeder merkt, dass sie erarbeitet und gelebt wird.
Selbstverständlich zahlen Müller Kunden eine Refraktionsgebühr, die einheitlich mit 23 Euro berechnet wird. „In der Branche wird viel zu viel verschenkt“, meint denn auch Christian Müller. „Die eigene Leistung muss doch etwas wert sein. Wenn eine Dienstleistung nichts kosten soll, denken die Leute, der holt sich das Geld von mir woanders. Ich bin ehrlich zu meinen Kunden. Für mich ist das wie ein Credo. Wenn ich zu meinen Kunden unehrlich bin, rächt sich das auf Dauer.“ Refraktionskosten sind kein Thema bei Müllers Kunden. Die paar Leute, für die das ein Thema war, gehen eben zum Mitbewerber. „Die sind locker aufgewogen durch den Umsatz, den wir mit den anderen Refraktionen machen.“ Das ist Christian Müller eine wichtige Botschaft.
Und DER AUGENOPTIKER? „Ich habe den Großteil der Publikationen, die mein Vater abonniert hatte, im Laufe der Zeit gekündigt. Aus Desinteresse. Ich glaube, der AO ist die einzige Zeitschrift neben ‚der Kontaktlinse’, die übrig geblieben ist.“ Er mag vor allem die Marketing-Themen. Freut uns dann auch.
Ulla Schmidt