Orthokeratologie: Keine besonderen Gefährdungen

Orthokeratologie stellt die gezielte Modellierung der Hornhaut mittels spezieller, für jeden einzelnen Kontaktlinsenträger individuell gefertigter Kontaktlinsen dar.

Ziel dieses Verfahrens, bei dem während der Nacht die Kontaktlinsen getragen werden, ist es, durch eine Abflachung der Hornhaut deren Brechwert so zu verringern, dass kurzsichtige Personen am Tag ohne optische Korrektion, sei es Brille oder Kontaktlinse, gut sehen können. Da die Hornhaut tendenziell immer ihren ursprünglichen Zustand anzunehmen strebt, muss die Kontaktlinse in jeder Nacht getragen werden. Dies weist auch auf einen wichtigen Unterschied zu den mit der Orthokeratologie konkurrierenden operativen Verfahren (zum Beispiel LASIK) zur Korrektur von Kurzsichtigkeiten hin.
Die Orthokeratologie ist reversibel, während Misserfolge operativer Verfahren nicht rückgängig zu machen sind.
Ausgedehnte Forschungsarbeiten, die von WVAO zusammen mit der Universitätsaugenklinik Köln von April bis Juli 2003 durchgeführt worden sind, haben gezeigt, dass mit dem Tragen von Orthokeratologie-Linsen keine besonderen Gefährdungsrisiken für die Hornhaut einhergehen. Die Belastung des Hornhautepithels entspricht der Belastung, wenn einer torischen Hornhaut eine formstabile Kontaktlinsen aufgesetzt wird.
Die Krümmung der Hornhautvorderfläche wird um durchschnittlich 0,4 mm verringert. Die Mittendicke der Hornhaut nimmt um 10 bis 15 [im ab. Die Veränderungen sind in hohem Maße vorhersehbar. Als positiver Effekt wird regelmäßig eine Senkung des Augeninnendrucks gemessen, sodass von der Orthokeratologie und der durch sie verursachten Verformung der Hornhaut kein erhöhtes Glaukomrisiko ausgeht. Epitheldefekte wie Stippen oder Mikrozysten verschwinden innerhalb weniger Tage. Nach dem Absetzen der Orthokeratologie-Linsen nimmt die Hornhaut innerhalb von wenigen Tagen ihre ursprüngliche Geometrie wieder an.