Christian Roth /Eric Domège by Charmant

More than a frame

„Irgendetwas, das sich von einem Landhaus in Südfrankreich machen lässt,“ konnte sich Christian Roth vorstellen, als wir ihn 1992 porträtierten und nach seinen beruflichen Vorstellungen für die Zukunft fragten. ‘Irgendetwas’ sind nach wie vor Brillen, seinen Standort hat er tatsächlich von New York nach Südfrankreich verlegt. Mit Eric Domège ist er die Marke ‘Christian Roth’.

Ulla Schmidt Fotos Fassungen: Frank Herrmann

Als die beiden Designer 1995 ihre gut gehende Firma ‘Optical Affairs’ an die Firma Eyetique USA verkauften, hielten sie das für eine richtig gute Idee. „Die Firma ging super, wir hatten aber keine Möglichkeit, selber weiter zu finanzieren um zu wachsen“, erklärt Christian Roth ihren damaligen Entschluss. „Aber dann der klassische Fall: Die neuen Eigentümer hatten andere Interessen. Das Produkt sollte enorm gestreut werden und es gab den Punkt, an dem wir nicht mehr hinter der Marke stehen konnten.“ Die beiden Creativ Direktoren traten 1997 zurück – die Firma Optical Affairs existiert heute nicht mehr.
Durch Verträge gebunden durften Christian Roth und Eric Domège ein Jahr lang keine ‘Brillen bauen’. Die ‘Non-Compete-Cause’ (Kein-Wettbewerb-Klausel) zwang sie – wollten sie im gleichen Metier bleiben – Urlaub zu machen. „Das war unser schönstes Jahr,“ schwelgt Eric Domège, “und enorm wichtig für unsere Kreativität. Wir konnten uns in der Welt umsehen und neue Kräfte tanken.“ Gleichzeitig fassten sie den Entschluss, ihren Standort New York aufzugeben. „In New York leben und keine Arbeit haben, das geht nicht. Jeder dort arbeitet,“ beschreibt Christian Roth, „es sei denn er ist alt und reich. Eric kommt aus Südfrankreich und mein heimlicher Traum war es schon immer, mich dort einmal niederzulassen.“ Also zogen sie 1997 nach Monaco, wo Eric Domège aufgewachsen ist und auch seine Familie lebt.
„Den Motor abzustellen ist einfach. Den Motor wieder anzustellen auch, aber er muss schon ein bisschen warmlaufen,“ schildert Christian Roth ihren Neuanfang nach einem Jahr. Nachdem ‘WWD Woman’s Wear Daily’ ihre Story über den Rücktritt der beiden Creativ Direktoren gebracht hatte, interessierte sich die Firma Charmant für sie. Es hatte schon früher eine Zusammenarbeit gegeben und der Chairman der Firma konnte sich eine neue und engere Verbindung vorstellen. Auch andere Firmen kontaktierten die beiden De-signer.
„Das Ausschlaggebende dafür, uns für die Firma Charmant zu entscheiden, war ihre absolute Stärke im Titan-Bereich,“ erklärt Eric Domège und Christian Roth ergänzt: „Wir haben immer mit dem Werkstoff geflirtet und früher dann auch schon mal bei einer Kunststoff-Fassung einen außergewöhnlichen Titan-Bügel eingesetzt. Wir wollten keine dünnrandige Titanfassung machen, wie man sie auch damals schon im Markt gesehen hat. Wir wollten mit dem Material ein bis zwei Schritte weitergehen. Heute machen wir gern eine heavy metal looking frame, groß und stark. Das kann man nur mit Titan.“
Die Fassungen – nicht für jedermann konzipiert – kommen gut an. Die Promis dieser Welt, gewöhnt an Gift-bags, die kleinen Geschenkpäckchen, die sie oft allein für ihr Erscheinen irgendwo überreicht bekommen, kaufen ‘Christian Roth-Fassungen’. Oder beabsichtigen das zumindest, denn dass der eine oder andere ‘Celebrity’ diese Fassung dann doch umsonst mitnehmen kann, ist fast eine Selbstverständlichkeit. Einen besseren Werbeträger kann man für den Preis einer Fassung wohl kaum finden. Die Liste der Promis liest sich dann auch beeindruckend: Mary J. Blige, Isaac Hayes, Lenny Kravitz, Karolina Kurkova, Jennifer Lopez, Madonna, Kate Moss, Gwynneth Paltrow, Sharon Stone, Donatella Versace, um nur einige – und diese in alphabetischer Reihenfolge – zu nennen.
„Es gibt viele Leute aus dem Music Business, die unsere Brillen tragen. Die Jugend sieht sie in Konzerten, TV oder Fashion Magazinen und möchte genau so aussehen. Sie können nicht so viel zahlen, aber sie wollen das Label tragen, was die Rockstars haben,“ erzählt Eric Domège. „Das sehen wir als neue Kundenbasis auch für uns.“
Die beiden Designer, denen die Firma Charmant in ihren Ideen und Gestaltungen freie Hand lässt, brachten keine zweite Kollektion auf den Markt. Die Christian Roth-Kollektion gibt es identisch in Kunststoff. „Uns macht es genauso stolz, wenn wir junge Leute auf der Straße mit unseren Brillen sehen wie wenn sie ein Celebrity trägt. Wenn wir die Jugend erreichen können, liegen wir richtig,“ erklärt Christian Roth. „Heutzutage ist die Jugend sehr modebewusst. Wenn wir nur Titan machen, schaffen wir automatisch ein sehr kleines Segment, wir wollen aber andererseits kein Geschäft nur ‘in Kunststoff machen’. Es gibt eine Gesamtkollektion und die Geschäfte verstehen das Konzept sehr gut.“
Besonders stolz sind beide – die eine eigene Fanpost vorweisen können – auf den Brief einer Schülerin der St. Martin Design School in London. Sie wollte eine ‘Christian Roth’ tragen, der Preis einer Titanfassung überstieg ihre Möglichkeiten. Sie bekam die Kunststoff-Variante angeboten und trägt nun begeistert ihre ‘Traumfassung’.
„Genau das wollen wir erreichen,“ betonen beide Designer, die 1998 noch zu den sogenannten ‘have been’ gezählt wurden. Sie haben es der ‘Brillenwelt’ gezeigt und auch der Firma Charmant bewiesen, nicht auf das falsche Pferd gesetzt zu haben. Die Devise ist heute mehr denn je ‘more than a frame’.
Design Team
  • 1983 Gründung optical affairs in New York City
  • 1983-97 Christian Roth für optical affairs weltweite Distribution
  • 1988-93 Einführung von ‘Jean Paul Gaultier’Eyewear mit Murai America
since 1990 Ausgewählt als Mitglied der cfda ‘council of fashion designers of
america’ (als Erste in the eyewear design category)
  • 1994 first annual 20/20 design award in new york city
  • 1995 Verkauf von optical affairs an eyetique usa
  • 1997 Rückzug nach Südfrankreich
seit 1998 bei charmant inc. Japan als Exclusiv-Designer für ‘hugohugo boss’, ‘michael kors’ und ‘christian roth’ eyewear
  • 2000-01 weltweiter Start der neuen Christian Roth Collection
  • 2002 Mai christian roth optical Mitglied der Ausstellung ‘taking eyeglasses
seriously’ der Triennale Mailand
2002 Oktober Christian roth design 14217 gewinnt den ersten Preis ‘eyewear of the year 2003’ in der Kategorie ‘trendy sport’ ioft Tokyo