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Monaco Ironman 70.3
„Es war wie im Piranhabecken!“

Acht Monate lang haben sie geschwitzt, gestrampelt, gekrault, Muskeln aufgebaut und sich mental auf die bislang größte Herausforderung ihres Lebens vorbereitet – die Teilnahme am Monaco Ironman 70.3. Am 2. September war es endlich soweit: Das Oakley Transitions Ironman Team ging in Monte Carlo an den Start, um 113 Kilometer schwimmend, laufend und Rad fahrend zu bewältigen. Bis auf ein Mitglied haben sich alle anderen ihren Traum erfüllt – als Finisher durchs Ziel zu laufen.

Nächtliches Frühstück
Der Wettkampftag begann für die sieben Augenoptiker aus Holland, Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien, Südafrika und Deutschland schon mitten in der Nacht – mit einem Frühstück um vier Uhr morgens. An ausgiebiges Schlemmen war dabei jedoch nicht zu denken. Eine reichhaltige Mahlzeit wäre zu belastend für den Körper.

Der deutsche Teilnehmer Uwe Steinborn aus Heinsberg genehmigte sich deshalb nur Toast und Kaffee: „Gerade bei der Ernährung kann man viel falsch machen. Beispielsweise bringt es nichts, sich am Vorabend mit Kohlenhydraten voll zu stopfen. Man muss sich in der Woche vor dem Start ausgewogen ernähren und seinen Speicher auffüllen.“ Die Tipps der Profi-Coaches, die dem Oakley Transitions Ironman Team während der Trainingsphase zur Seite standen, hat Steinborn beherzigt und ist deshalb mit hohen Erwartungen an sich selbst angetreten. Für ihn ging es um mehr, als nur anzukommen. „Mein Ziel ist es, unter die ersten zehn meiner Altersklasse zu kommen,“ so der 47-Jährige.
Fahrraddiebstahl verzögerte Start
Eigentlich hätte um sieben Uhr der Startschuss zur ersten Disziplin, dem Schwimmen über 1,9 Kilometer, fallen sollen. Doch der Beginn verzögerte sich um eine halbe Stunde. Grund hierfür war ein Diebstahl. Die Räder einiger Profi-Athleten waren nachts aus dem abgezäunten Bereich entwendet worden. Bis Ersatzräder organisiert waren, mussten sich die rund 700 Teilnehmer des Monaco Ironman am Strand gedulden.
Bei Steinborn stieg unterdessen der Adrenalinspiegel: „Schwimmen ist meine schwächste Disziplin. Außerdem stand ich am Strand sehr weit hinten. Ich wollte es endlich hinter mich bringen.“ Eine knappe Dreiviertelstunde später hatte der Augenoptikermeister die Strecke im 24 Grad warmen Wasser überwunden, sichtlich ausgelaugt und ein wenig enttäuscht: „Normalerweise hätte ich für diese Distanz um die 35 Minuten gebraucht. Aber das Schwimmen hat sich angefühlt wie im Piranhabecken. Die anderen schwimmen über einen drüber und schlagen um sich. Schwimmen kann man das eigentlich nicht nennen, es ist gar kein Platz dafür.“
Extreme Anstiege, steile Abfahrten
Kaum war die Wasserschlacht überstanden, galt es, neue Kraftreserven für die 90 Kilometer lange Radstrecke zu mobilisieren, Steinborns Paradedisziplin. Insgesamt mussten die Athleten drei Bergetappen mit Höhenunterschieden von knapp 1600 Metern, gepaart mit extrem steilen Abfahrten und engen Kurven, überwinden. Eigentlich kein Problem für Steinborn, der sich im Sattel wohl fühlt.
Doch die Erinnerung an den schweren Radunfall im Mai, bei dem sich der Augenoptikermeister die Kniescheibe anriss, belastete ihn. Deswegen konnte er die Etappe nicht mit der Power angehen, wie es sonst der Fall gewesen wäre: „Ich hatte großen Respekt vor den unheimlich steilen Abfahrten und bin deshalb vorsichtig gefahren. Außerdem waren die Straßen teilweise so schlecht, dass ich Angst hatte, mir bricht das Rad auseinander, so stark waren die Schläge.“
Bergetappe gab Auftrieb
Trotz suboptimaler Voraussetzungen und starken Seitenstichen gelang es dem Heinsberger, wertvolle Plätze gut zu machen: „Beim zweiten Berg habe ich mein verletztes Knie gespürt und den Druck etwas verringert. Danach war alles in Ordnung und ich bin den letzten Berg fast hin-auf geflogen.“
In der Rangliste hat sich Steinborn so nach vorne katapultiert. Lag er nach dem Schwimmen noch auf Rang 552, konnte er in seiner Lieblingsdisziplin fast 300 Plätze aufholen. Die Strecke legte er in drei Stunden und sechs Minuten mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 29 Stundenkilometern zurück.
Dabei war neben mentaler Stärke und der richtigen Technik auch die regelmäßige Kalorienzufuhr entscheidend, verrät Steinborn: „Man muss den Körper kontinuierlich mit Kohlenhydraten versorgen, um dem so genannten Hunger-Ast vorzubeugen. Wenn dieser erst auftritt, ist es schon zu spät und die Leistungsfähigkeit nimmt rapide ab, ohne dass man etwas dagegen unternehmen kann.“
Neben isotonischen Getränken und speziellen kohlenhydratreichen Riegeln ernährte sich der Hobbysportler unterwegs vor allem von Bananen, die Helfer bei drei Versorgungsstationen verteilten. Das malerische Bergpanorama nahm er kaum wahr, da er sich voll und ganz auf die Strecke konzentrierten musste. „Die Trainer haben uns schon im Vorfeld für die anspruchsvollen Passagen sensibilisiert, denn die Bergetappe ist wirklich nicht ohne. Von dem Drumherum habe ich nicht viel registriert. Bewusst habe ich die Umgebung eigentlich nur wahrgenommen, als ich bergab Richtung Monaco gefahren bin. Der Blick auf das Meer ist einfach atemberaubend.“
Halb-Marathon auf Formel 1-Parcours
Während der letzten Abfahrt bereitete sich Steinborn mental bereits auf den anschließenden Halb-Marathon durch Monte Carlo vor. Um beim Abstieg vom Rad keine Zeit zu verlieren, schlüpfte er kurz vor dem Etappenziel aus den Schuhen.
Die Strecke führte die Athleten 4,5 Runden auf dem Formel 1-Parcours durch die Stadt. „Viele Läufer hatten während der ersten Meter große Probleme. Von dem langen Radfahren hat man Beine wie Blei, da kann es passieren, dass man anfängt zu torkeln. Schnell seinen Rhythmus wieder zu finden ist dann besonders wichtig“, erklärt Steinborn. Das Erfolgsgeheimnis des Heinsbergers: Immer weiter laufen, egal wie steil die Strecke ist: „Besonders brutal war die Passage vor dem Casino. Die steile Rampe mussten wir insgesamt fünf Mal hoch laufen. Am Casino selbst mussten wir dann links abbiegen, während die Ziellinie rechts war. Das Ziel war immer zum Greifen nah. Das hat mir einen richtigen Motivationsschub gegeben.“
Motivationskick durch prominente Fans
Auch die bunten Armbänder, die die Läufer nach jeder Runde erhielten, halfen beim Durchhalten. Eine ganz besondere Rolle spielten jedoch die Zuschauer. „Als ich am Hafen entlang lief, standen dort mein Coach Peter Reid, die Ironman-Koriphäe schlechthin, und der wohl zur Zeit stärkste Triathlet der Welt, Chris McCormack, und feuerten mich an. Auf der anderen Straßenseite jubelte mir mein Schwimmtrainer, der viermalige Olympiasieger Vladimir Salnikov, zu. Das war ein irres Gefühl,“ schwärmt der 47-Jährige. „So etwas passiert einem bei keiner anderen Sportart.“
Zieleinlauf als 18. seiner Altersklasse
Die positive Energie gab Steinborn den nötigen Rückenwind. Nach fünf Stunden, 34 Minuten und acht Sekunden überquerte er die Ziellinie und verwirklichte seinen Traum. Sein erster Gedanke: „Mensch, es geht dir so gut, da hättest du auch schneller laufen können!“ Das Ergebnis ist dennoch beachtlich: Steinborn beendete den Wettkampf als 18. seiner Altersklasse. Insgesamt belegte er Rang 220. Dabei war vor wenigen Wochen aufgrund seiner Knieverletzung nicht sicher, ob er überhaupt starten könnte.
„Ich wollte die Distanz auf jeden Fall unter sechs Stunden schaffen, das ist mir gelungen. Unter die ersten zehn meiner Altersklasse zu kommen, hat nicht geklappt. Aber da ich aufgrund meines Radunfalls nicht so trainieren konnte, wie geplant, bin ich mit meiner Zeit sehr zufrieden.“ Aufgrund seines hervorragenden Ergebnisses qualifizierte sich der Augenoptikermeister sogar für die Ironman Weltmeisterschaft in Florida im November. Aus Zeitgründen kann er diese Chance jedoch nicht wahrnehmen.
Exzellentes Ergebnis des Oakley-Transitions-Ironman-Teams
Auch die anderen Mitglieder des Oakley Transitions Ironman Teams erzielten so herausragende Zeiten, dass einige von ihnen einen der begehrten Startplätze für die WM in Florida ergatterten. Während der Italiener Andrea Strada dort allerdings ebenfalls nicht an den Start gehen wird, haben sich die Engländerin Fiona Bosher und der Niederländer Kees Saton entschieden, an der Weltmeisterschaft teilzunehmen. Bis auf die Südafrikanerin Marna Pieterse erreichten alle Teammitglieder die Ziellinie in Monte Carlo. Starke Knieschmerzen während des Radfahrens zwangen die 29-Jährige zur frühzeitigen Aufgabe.
„Eine turbulente Zeit voller Schweiß treibender Trainingseinheiten und schmerzender Muskeln liegt nun hinter uns“, fasst Uwe Steinborn die vergangenen acht Monate zusammen. „Ich möchte diese Erfahrung auf gar keinen Fall missen und würde es jederzeit wieder tun. Ich habe viele interessante Menschen kennen gelernt und neue Freundschaften geschlossen. Wir sind ein tolles Team und können wirklich stolz auf unsere Leistung sein. Schließlich haben wir bewiesen, dass Augenoptiker richtig viel Power haben. Das Team-Sponsoring von Oakley und Transitions Optical war rundum gelungen. Es war eine tolle Zeit. Schade, dass die Aktion nun vorbei ist.“
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