Betriebsamkeit an allen Fronten

Das waren aufregende Wochen in der jüngsten Zeit. Die Branche, die – allen kleineren Aufregern am Rande zum Trotz – sonst eher für Kontinuität, Ruhe und Ausgeglichenheit steht, ist in Aufruhr. Und das gleich an mehreren Fronten.

Nach dem Krane-Apollo-Deal hat Fielmann ein ganz anderes, allerdings nicht neues Fass aufgemacht. Mit einem großen Fest eröffnete der Branchenführer in Plön seine Akademie. Für rund 35 Millionen Euro wurde das marode Schloss Plön aufwendig renoviert und umgebaut. Herausgekommen ist, das müssen selbst eingefleischte Fielmann-Kritiker neidlos anerkennen, ein Prachtstück. Die gemeinnützige Aus- und Weiterbildungsstätte in Plön überzeugt nicht nur durch ihre traumhafte Lage, das Gebäude oder die Geschichte. Die Akademie ist vor allem auch technisch ausgereift, hat historische Mauern und moderne Gerätschaften und Anforderungen in ausgezeichneter Weise kombiniert und richtet sich mit ihrem Angebot vom Auszubildenden bis zum Optometristen. Für den Bachelor-Studiengang Augenoptik/Optometrie ist die Akademie eine Kooperation mit der Fachhochschule Lübeck eingegangen. Und – das wurde bei der Eröffnung immer wieder erwähnt: Die Angebote der Akademie stehen allen Augenoptikern offen. Es bleibt abzuwarten, wie andere Ausbildungsstätten auf die verschärfte Wettbewerbssituation reagieren.
In Aalen gibt’s beispielsweise jetzt das Modell, bei dem die Fachhochschule Bewerber zum Studiengang Augenoptik aufnimmt, ohne dass die Bewerber eine Gesellenprüfung im Handwerk absolviert haben müssen. Den Hütern des augenoptischen Handwerks schwillt bei solchen Angeboten natürlich der Kamm.
Auch der ZVA hat Handlungsbedarf erkannt, und zwar bei der langfristigen Veränderung des Berufsbildes „Augenoptiker“. Wenn immer mehr kleinere augenoptische Geschäfte entstehen, die sich immer seltener eine eigene Werkstatt leisten, dann ist der Weg zum reinen Einzelhandel nicht mehr weit.
Zu allem Überfluss bedrohen die jüngsten Pläne der Gesundheitsreform einen Großteil der Branche durch geplante Ausschreibungsmodelle bei der Versorgung mit Hilfsmitteln. Nicht nur der ZVA sieht einen Großteil der Augenoptiker dadurch ernsthaft gefährdet.
Als ob diese – hier nur am Rande gestreiften Themen – nicht aufregend genug wären, hat der Veranstalter der Opti München, die OK Messen GmbH aus Salzburg, ihr einziges Produkt verkauft. Ab 2008 gibt es einen neuen Betreiber der Opti München. Der heißt GHM, kommt aus München, beschäftigt sich mit Handwerksmessen und hat einen zumindest schwierigen Zeitpunkt für den Start erwischt. Es verdichten sich die Anzeichen, dass sich die italienische Fassungsindustrie zu großen Teilen bereits 2007 vom Messestandort München verabschiedet.
Dazu kommen nahezu monatlich neue Nachrichten über Hausmessen, Hotelmessen, regionale Verkaufsveranstaltungen – und alles unmittelbar vor der Opti in München. In diesem Falle sind die Hersteller auf dem besten Wege, den Messestandort Deutschland für die Optik wieder einmal ins Tal der Tränen zu befördern. Das letzte Mal liegt noch keine fünf Jahre zurück.
Theo Mahr