LeaLeks, Bochum

Patentreif

Wer sagt denn, dass hier keine Brillenfassungen mehr hergestellt werden? Gerade aus Deutschland kommen die interessantesten Neuheiten. Wir haben für Sie LeaLeks entdeckt mit Fassungen, deren Scharnier zum Patent angemeldet ist. Und wir sagen Ihnen, wer für LeaLeks steht.

Leonid und Aleksej sind Brüder. Aus ihren beiden Vornamen setzt sich der Firmenname zusammen. Und – wie Sie richtig vermutet haben – sind sie keine gebürtigen Deutschen. Sie sind in Moskau geboren.

Leonid ist studierter Bauingenieur. Nach der Bauakademie arbeitete der Ingenieur als Bauleiter. Parallel dazu absolvierte der künstlerisch begabte junge Mann eine Lehre als Goldschmied. Ziemlich ungewöhnlich für einen Bauingenieur aber recht nützlich für einen Goldschmied. Denn als Bauingenieur hatte er gelernt, exakte Zeichnungen anzufertigen und mit Metallen umzugehen. Er arbeitete schließlich zusätzlich als ‚Modelmaker’, entwickelte Prototypen für Betriebe, die diese Modelle dann fließbandmäßig herstellten.
Dann wurde Leonid krank. So krank, dass ein Überleben nur mit einem Luftwechsel gewährleistet werden konnte. Er durfte aus Russland aus- und in Deutschland einreisen. Heute ist er gesund, hat eine Daueraufenthaltsgenehmigung und ist dabei, Deutscher zu werden. Für seinen Lebensunterhalt arbeitete er zunächst bei einem Fassungshersteller. Schon in Moskau hatte er für einige reiche Kunden Goldbrillen – die es damals dort noch nicht gab – hergestellt. Hier arbeitete er mit Glasbohrbrillen. Er lernte, sie zusammenzubauen, die Brillen nach Pupillendistanz, Achslage und allen anderen Parametern auszurichten – und er lernte Deutsch.
Nach sieben Jahren bei dieser Firma, bei der er noch heute ab und zu aushilft, wollte er gern etwas Eigenes machen. Dazu wollte er eine eigene Fassung erfinden, die ganz leicht zusammenzubauen, einzurichten und zu tragen ist. Beim Ausrichten sollte das Glas nicht ausplatzen und schön sollte sie außerdem aussehen. Er setzte sich mit Freunden zusammen, man diskutierte, probierte, skizzierte nächtelang. Sie hatten die feste Überzeugung, dass es bei der Fassung ohne Lötstelle gehen sollte. Als das gelöst war, ging es ans Scharnier. Sie schauten sich vorhandene an, die ihnen alle nicht gefielen. Sie wollten es besser machen und entwickelten ein neues Scharnier. Ein Scharnier, das heute zum Patent angemeldet ist.
Bevor nun irgendetwas hergestellt werden konnte, musste ‚Geld aufgetrieben’ werden. Leonid verkaufte seine Möbel, den Fernseher – alles bis auf sein Werkzeug und das Auto. Nur um festzustellen, dass es lange nicht reichte. Die Freunde sprangen ein und auch die Bank. Die ersten Rohteile wurden bestellt – in Deutschland. Nur passte leider nichts. Selbst ein paar Zehntel können immer auch zu groß oder zu klein sein. Nach sechs Monaten hatten sie die ersten funktionsfähigen Scharniere in der Hand. Besser gesagt in der Tasche, denn den ganzen Tag wurde das Scharnier mit einer Hand auf- und zugeklappt. Gebrauchstest bestanden, denn die Scharniere funktionieren noch heute.
Parallel wurde weiter entwickelt. Die Edelstahl-Fassungen werden mit einer besonderen Beschichtung veredelt. Das Verfahren ist eigentlich gedacht für Bohrwerkzeuge, die die Erde durchbohren. Für eine Fassung, die diese Belastung nicht aushalten muss, superhaltbar. Zur Crio kommen die ersten Fassungen mit Echtvergoldung. Wie die Muster der Bügel entstehen, erzählt Ihnen Leonid gern.
In Bochum werden die Monturen entgratet, lackiert, gebogen, die Oberflächen bearbeitet, zusammengebaut und ausgerichtet. Die Fassungen werden nicht als Monturen sondern mit Musterglas versehen verkauft. Übrigens schon ab fünf Stück. Große Abnahmeverpflichtungen gibt es bei LeaLeks nicht, denn Leonid ist überzeugt, Sie zu überzeugen. Die Fassung ist mit einem einzigen Werkzeug zusammen zu bauen, die quadratischen Schrauben sind versenkt, alle Einzelteile untereinander austauschbar.
Wie die erste Kollektion heißt? Plus Minus. Warum, das werden Sie als Fachmann auf den ersten Blick erkennen. Schauen Sie sie einfach mal an. Die nächste Crio wäre doch ein guter Zeitpunkt.
Ulla Schmidt